
Wanderung von der Venetalm zum Imsterberger Kreuz
Es ist bereits später Abend, als ich nach einem langen Reisetag endlich die Venetalm erreiche. Tiefhängende Wolken ziehen langsam über den Himmel, während ein frischer Wind aus dem Pitztal hinauf zur knapp 2.000 Meter hochgelegenen Alm weht. Die Schafskälte bringt noch einmal einstellige Temperaturen mit sich. Und frischen Schnee bis auf fast 2.000 Meter hinunter. Wie mit dem Lineal gezogen, bleibt er an den umliegenden Gipfeln liegen und trennt den Frühsommer im Tal von der zurzeit noch spätwinterlichen Höhe. Schön sieht das aus.
Diese Wanderung, genauer der kurze Abendspaziergang von der Venetalm zum Gipfelkreuz, ist keine wirklich große Tour. Nicht im alpinen Sinne zumindest. Es sind gut 200 Höhenmeter, ein schmaler Bergpfad und vielleicht eine halbe Stunde Aufstieg. Und doch sind es gerade diese kleinen, unscheinbaren Wanderungen, die oft am meisten im Gedächtnis bleiben.

Erst in die Wärme, dann hinaus in die Kälte
Bevor ich jedoch zum Gipfelkreuz aufbreche, kehre ich ein in die gemütliche, warme Gaststube der Venetalm. Dort werden noch die letzten Vorbereitungen für die kommende Saison getroffen, trotzdem ist die Hütte schon geöffnet. Der Gastraum empfängt mich warm und einladend. Ich stärke mich mit einer Tiroler Brotzeit, die auch „Marend” genannt wird. Tiroler Speck, Bergkäse, Kaminwurzen und frisches Bauernbrot werden liebevoll auf einem Brett angerichtet und bilden eigentlich den Abschluss eines langen und anstrengenden Tages. Für mich sind sie dagegen der Startschuss in ein langes Wochenende in der Outdoorregion Imst.
Wenig später mache ich mich dann doch noch einmal auf den Weg. Denn draußen wartet nicht nur die kühle und frische Luft eines frühsommerlichen Abends, sondern auch ein Gipfelkreuz.
Übrigens: Sollte man es einmal nicht mehr bis ins Tal schaffen, gibt es auf der Venetalm auch Schlafplätze im Matratzenlager. Das ist gut zu Wissen für alle, die länger bleiben müssen (oder möchten) als geplant.

Almrausch im Akazienwald
Hinter der Alm führt der Weg zunächst durch einen fast mystisch wirkenden Akazienwald, in dem die Bäume verwachsen und ineinander verschlungen sind. Knorrige Äste der von Sturm und Wind gekrümmten Bäume sowie dichtes Grün säumen den Weg, während die Blüten der Alpenrose zart aus dem dunklen Laub leuchten. Die Alpenrose, die im Volksmund auch Almrausch genannt wird, blüht von Mai bis Juli. Gerade in der Dämmerung fällt sie besonders stark ins Auge.
Was man ihr bei aller Zartheit so überhaupt nicht ansieht: Diese Pflanze kann über hundert Jahre alt werden. Allerdings braucht sie Schnee, um zu gedeihen. Eine ausreichende Schneedecke im Winter ist für sie keine Selbstverständlichkeit, sondern überlebenswichtig. Der frische Schnee, der die umliegenden Gipfel gepudert hat, ist demnach für sie keine Bedrohung, sondern erwünscht und irgendwie auch Heimat.
Vielleicht erklärt das auch mein eindrucksvolles Gefühl, das mich beim Durchqueren dieser Landschaft beschleicht. Als ginge ich durch etwas Uraltes, das sich um meine Befindlichkeiten nicht schert. Etwas, das schon lange da war, bevor überhaupt jemand hier einen Wanderweg angelegt hat. Mystisch schön.


Schotterpfad, weiter Blick und das Kreuz vor Augen
Kurz darauf ändert sich das Gelände. Ein schmaler, schotteriger Pfad führt weiter aufwärts und immer wieder öffnet sich der Blick in die Weite. Vor mir, in gebührendem Abstand, taucht das Imsterberger Kreuz auf. Noch ist es klein, aber klar erkennbar. Immer wieder bleibe ich stehen und genieße die Aussicht, auch wenn die untergehende Sonne kaum noch hinter den dichten Wolken hervorlugt.
In den Tälern bricht langsam die Nacht herein. Die Fenster der Häuser tief im Tal leuchten, während die Straßen in dämmriger Dunkelheit versinken. Von hier oben wirkt alles seltsam friedlich. Es ist, als hätte die Welt da unten den Gang rausgenommen, während ich einen zulege und noch einmal in die Höhe steige. Es wirkt wie eine Miniaturwelt.


360 Grad Panoramablick ins Pitztal und zum Tschirgant.
Am Kreuz, das auf gut 2.200 Metern liegt, werde ich für die spätabendliche Anstrengung mit einem 360-Grad-Panoramablick belohnt. Der Ausblick reicht weit über das Pitztal und das Gurgltal, bei klarer Sicht sogar bis zur Zugspitze. Direkt aus dem Inntal ragt der Tschirgant wie eine ägyptische Pyramide in den Himmel und beeindruckt mich gewaltig. Auch an diesem Abend, bei dichten Wolken, bleibt der Blick auf diesen Gipfel einfach nur großartig.
Wirklich. Nach der Wärme der Venetalm noch einmal in die kalte Luft hinauszugehen, lohnt sich. Selbst dann, wenn der Himmel nicht mitspielt. Oder vielleicht sogar gerade dann! Denn in solchen Momenten ist die Stimmung nochmal eine ganz besondere, eine ganz andere als bei Sonnenschein. Ruhiger. Ernster. Weiter.
Erst die aufziehende Kälte, die sich letztlich durch alle Lagen meiner Kleidung auf meine Haut schiebt, treibt mich schließlich auf den gleichen Weg zurück.


Fazit: Klein, aber fein.
Die Wanderung zum Imsterberger Kreuz ist nicht im klassischen Sinne anspruchsvoll. Sie ist kurz, familienfreundlich und technisch einfach. Aber sie lohnt sich. Der 360-Grad-Ausblick vom 2.200 Meter hohen Gipfelkreuz bleibt unvergesslich. Die Venetalm als Ausgangspunkt und für eine Einkehr davor und danach rundet das Erlebnis ab. Es ist eine kleine, aber feine Tour, die ich von ganzem Herzen empfehlen kann.
Übrigens: Die Tour zum Imsterberger Kreuz eignet sich auch für Familien. Die moderate Steigung und kurze Distanz erfolgen auf einem gut markierten Weg. Wer also mit Kindern oder ohne große Bergerfahrung nach Imst kommt und trotzdem Gipfelluft schnuppern möchte, ist hier genau richtig.
Tipps & Informationen
ANREISE
↠ Mit dem Zug: Die Züge der ÖBB halten am Bahnhof Imst-Pitztal, Bahnhof. Von dort fahren im 30-Minuten-Takt Busse nach Imst, Terminal Post, von wo aus es dann Verbindungen in die umliegenden Dörfer gibt.
↠ Mit dem Auto: Das Auto ist vermutlich die beste Wahl, um direkt zur Venetalm zu gelangen. Etwa 100 Meter unterhalb der Alm gibt es eine Stelle, an der man das Auto abstellen kann. Allerdings führt die Strecke hinauf zur Alm über zum Teil schotterige Serpentinen und unbefestigte Waldstraßen sowie vor allem durch Weidegebiet. Dabei sollte stets auf freilaufende Tiere geachtet werden.
↠ Zu Fuß: Diese Wanderung kann man auch als Mehrtagestour unternehmen. In diesem Fall ist der Startpunkt Imsterberg. Von dort aus führt eine Wanderung hinauf zur Venetalm. Auf dieser kann man dann eine Nacht schlafen. Sie verfügt über 16 Matratzenlager, für die eine Voranmeldung per WhatsApp erforderlich ist. Am zweiten Tag unternimmt man dann die Wanderung zum Imsterberger Kreuz und läuft wieder zurück nach Imsterberg.
AUSRÜSTUNG
Benötigt werden gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und keine Angst vor der Höhe. Zudem sollte man sich dem Wetter entsprechend anpassen.
WEGEQUALITÄT
Der Weg führt vornehmlich über alpine Pfade, erst durch einen urigen Wald, später über leicht schottrige Abschnitte. Richtig ausgesetzt ist der Weg nicht, aber atemberaubende Ausblicke in die Täler und die umliegende Bergwelt werden geboten.
UNTERKUNFT
Ich kann das Stadthotel EGGERBRÄU im Zentrum von Imst empfehlen, in dem ich selbst geschlafen habe. Es ist modern und ansprechend eingerichtet, bietet Erholung und Entspannung und ist der ideale Ausgangspunkt für alle Unternehmungen in Imst und Umgebung. Die Lage ist ruhig und dennoch zentral. Vor allem die freundlichen Mitarbeitenden haben meinen Aufenthalt zu einem entspannten Genuss gemacht.
ESSEN & TRINKEN
↠ Auf der Venetalm gibt es kulinarischen Hochgenuss in der gemütlichen Gaststube. Gerade die Brotzeit kann ich sehr empfehlen!
!— BESONDERER TIPP —!
Diese Wanderung ist bei Einheimischen besonders zum Sonnenuntergang beliebt. Während die letzten Sonnenstrahlen hinter den Gipfeln der Lechtaler Alpen hervorkommen, glühen die Gipfel des Pitztals und der Ötztaler Alpen auf der gegenüberliegenden Seite in den schönsten Orange- und Rottönen. Ein Traum!
Wanderkarte
3 km
215/215 m
1,5 h
Alle benötigten Infos gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands der Outdoorregion Imst.

Infos zur Imst Card
Wer in Imst übernachtet, erhält automatisch die Imst Card. Mit dieser sind viele Eintritte vergünstigt oder sogar kostenlos und kann damit der ÖPNV vor Ort ebenfalls kostenlos genutzt werden. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Nächten kann die Seilbahn in Hochimst sogar einmal täglich kostenlos genutzt werden! Das ist großartig und erleichtert Wanderungen in den höheren Lagen enorm.
Geführte Wanderungen (Mo-Fr)
Von Montag bis Freitag bietet der Tourismusverband zudem geführte Wanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden an. Interessierte geben einfach bis 16 Uhr Bescheid und sind am nächsten Tag mit einem echten Profi auf Tour. Mit der Imst Card ist die Teilnahme dann sogar kostenlos.
*ANZEIGE — Disclaimer | Hinweis in eigener Sache
Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise, die von Outdoorregion Imst und Biss PR organisiert und durchgeführt wurde. Dafür wurden mir An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung sowie Eintrittsgelder zur Verfügung gestellt. Die rechtliche Kennzeichnung als „Anzeige“ erfolgt, da der Beitrag durch diese Leistungen beeinflusst ist. Auf meine persönlichen Eindrücke und abschließende Meinung wurde dagegen kein Einfluss genommen. Diese entsprechen ausschließlich meiner persönlichen Sicht.



