Drei-Hütten-Tour in Imst: Auf dem Drischlsteig durch die wilde Bergwelt

Anzeige Drischlsteig, wilde Gipfel und ein Schafhirte mit seinen Ziegen: Die Drei-Hütten-Tour bei Imst zeigt, wie schnell aus gemütlichem Wandern echtes Bergabenteuer werden kann. Ein Wanderbericht.

Inhalt

Mit dem Bus nach Hochimst

Der Tag beginnt bequem, beinah zu bequem für das, was da noch kommt. Mit der Imst Card nutze ich den Bus nach Hochimst kostenlos und schiebt sich das gut gefüllte Gefährt in Serpentinen langsam von der Stadtmitte hinauf bis fast zur Talstation der Bergbahn. Dort wartet schon Silvi, die mich und die Gruppe auf die Drei-Hütten-Tour mitnimmt. Sie ist Wanderführerin aus Leidenschaft und seit Jahren in der Imster Bergwelt unterwegs, in ihrem Zuhause, wie sie selbst es nennt. Heute führt sie uns auf den Drischlsteig, das Herzstück der Drei-Hütten-Tour. Noch ahne ich nicht, wie ernst sie es mit dem Wort „Wildnis“ meint, das sie bei der kurzen Einführung fallen lässt.

Gemeinsam steigen wir in die Bergbahn. Immer wieder überrascht es mich, wie leise die Gondeln in die Höhe getragen werden und wie sanft der Wind sie ins Schaukeln bringt. Während die Bäume gemächlich an uns vorbei gleiten, quietschen unter uns die Schlitten des Alpine Coasters durch enge Kurven. Freudenrufe schallen zu uns hinauf. Das schaut nach jeder Menge Spaß aus und schreibe ich mir direkt auf meine heutige Bucketlist.

SunOrama und Adlerhorst: Zwei Gesichter derselben Bergwelt

Nach dem Umstieg an der Mittelstation wird es steiler und fährt die Seilbahn bis auf knapp 2.000 Höhenmeter hinauf. Vom SunOrama, einer überdachten Aussichtsplattform mit bequemen Holzliegen, eröffnet sich ein Panorama mit Weitblick. Direkt gegenüber ragt der Tschirgant aus dem Inntal, Imst liegt wie auf einer Modellbahnplatte im Tal und der Inn glitzert in der Ferne grün in der Sonne. Traumhaft ist es hier.

Am Adlerhorst ist es dann genau umgekehrt. Es gibt keinen superweiten Blick mehr, sondern die Wucht der umliegenden Berge direkt vor Augen. Die grauen Gipfel der Platteinspitzen, des Maldonkopfs und der Scharnitzköpfe sind harsch gezackt und machen eines sehr deutlich: Wer hier oben unterwegs sein will, sollte nicht nur trittsicher und schwindelfrei sein, sondern vor allem nicht leichtsinnig. So einladend die Berge auf Fotos auch wirken mögen, der Mensch ist hier nur zu Gast. Ganz nebenbei werde ich zudem aufgeklärt, wie schnell sich im Sommer gerade in solchen Talkesseln Gewitter bilden können. Dann heißt es handeln, nicht fotografieren. Denn in einem Gelände wie diesem, kann das schnell lebensgefährlich werden. Wir haben Glück. Heute gibt es wohl kein Gewitter, sondern nur strahlenden Sonnenschein und ein paar träge Quellwolken, die sich langsam über einen hellblauen Himmel schieben.

Der Drischlsteig: Wo Sicherheit am Berg zur Voraussetzung wird

Direkt am Adlerhorst beginnt auch schon der Drischlsteig. Schon von der Aussichtsplattform aus lässt sich erahnen: Höhenangst sollte man hier besser keine haben. Der Einstieg ist fast durchgängig mit einem Stahlseil gesichert und der Weg knapp einen Meter breit. Daneben geht es fast 300 Meter steil hinab in den Talkessel. Holz- und Eisentreppen führen immer wieder ein Stück bergan oder bergab und der Weg dauert deutlich länger als gedacht.

Ich bleibe oft stehen. Die Aussicht und das Abenteuer machen mir in genau dieser Kombination richtig Spaß und genieße ich jeden einzelnen Meter davon. In der Ferne leuchtet zwar schon die Muttekopfhütte im Sonnenlicht, doch komme ich ihr nur sehr langsam näher.

Nach knapp 750 Metern ist dieser Teil des Abenteuers auch schon wieder vorbei. Leider. Der schmale Trampelpfad führt jetzt durch sanft geschwungene Hänge, an deren Rändern sich die imposanten Gipfel in den Himmel strecken. Aus der Ferne höre ich das Rauschen des Lechtal-Wasserfalls, noch bevor ich ihn überhaupt sehe. Dank der Regentage zuvor führt er ordentlich Wasser und rauscht beeindruckend laut in die Tiefe. Die Tropfen der aufspritzenden Gischt glitzern verführerisch in der Sonne. Bei dieser Hitze könnte ich glatt schwach werden, die Hände hineinhalten und daraus trinken. Doch Silvi bremst meinen Tatendrang: Das Wasser sollte man besser nicht ungefiltert trinken. Man wisse schließlich nicht, was sich im oberen Lauf so alles abspiele, welche Tiere dort eventuell koten oder gar verenden. Das sei zwar nicht lebensgefährlich, aber eine Magen-Darm-Infektion ist kein Souvenir, das man sich von einer Wanderung wünscht.

Patrick und seine Ziegen: Respekt vor den Weidetieren

Kurz nach dem Wasserfall, mit Blick auf die Muttekopfhütte, begegnen wir Patrick, Schafhirt und Viehbauer, der bereits seit Jahren hier oben zu Hause ist. Er nimmt uns mit, den Abhang hinauf zu seinen Ziegen, die bereits seit ein paar Wochen hier oben weiden. In den nächsten Tagen werden auch seine Kühe auf die Wiesen der Plattein folgen, die sich direkt gegenüber befinden.

Dabei beginnt Patricks Tag jeden Morgen im Tal und endet erst spät abends wieder dort. Zwar beneide ich ihn um seine Kondition und die Möglichkeit, tagtäglich in den Bergen zu sein. Nicht jedoch um seine Arbeit. Bei aller romantischen Verklärung, die ist hart. Vor allem auch bei schlechtem Wetter.

Während die Tiere seinem Rufen folgen, berichtet er von seinem Alltag. Von der täglichen Kontrolle, ob ein Tier krank ist, ob die Geißen gut vom Muttertier versorgt werden und ob die Herde vollzählig ist. Und er spricht eine klare Mahnung aus: Weidetiere in dieser Höhe sind kein Streichelzoo. Wer wandert, sollte vor allem dann, wenn sich Jungtiere in der Herde befinden, einen großen Bogen um sie machen. Vor allem Kühe und Kälber bilden zum Beispiel eine enge Bindung. Nähert sich ein Mensch einem Kalb, wertet die Mutterkuh das oft als Bedrohung und verteidigt ihren Nachwuchs entsprechend aggressiv. Auch Ziegen geraten durch Menschenkontakt unter Stress. Manchmal verlieren sie dabei auch ihren Fluchtinstinkt, ausgerechnet den, den sie in den Bergen zum Überleben brauchen. Am besten also: Abstand halten, Hunde an die kurze Leine, Herden weiträumig umgehen.

Rast auf der Muttekopfhütte

Nach diesem Einblick in Patricks Welt ist es Zeit für eine Pause. Und wo ginge das besser als auf einer waschechten Almhütte? Die Muttekopfhütte ist genau das, und ein Kraftort noch dazu. Von der Terrasse aus reicht der Blick über den Talkessel bis hinauf zum Tschirgant. Was aus der Küche kommt, schmeckt so deftig, hausgemacht und gut, dass ich länger bleibe als geplant. Immer wieder lasse ich meinen Blick über die Landschaft schweifen und nehme die Kraft der Berge und die reine, frische Luft tief in mir auf.

Latschenkiefern, Malchbach und Buddy’s kleine Almfreunde

Nach der Stärkung geht es fast nur noch bergab. Erst über schmale Pfade durch niedrige Latschenkiefern, mittendrin über Nebenarme des Malchbachs, bis der Weg in sanften Serpentinen auf eine breite Zufahrtspiste mündet. Von dort ist es nicht mehr weit zur Latschenhütte und kurz darauf zur Obermarkter Alm, wo „Buddy’s kleine Almfreunde“ zu Hause sind, ein waschechter Streichelzoo.

Typische Alm- und Haustiere verbringen hier den Sommer, und wer mag, kann sie hautnah erleben und beobachten. Hier ist erlaubt, was oben bei Patricks Herde tabu war: Das Streicheln der Tiere. Silvi drückt uns Kraftfutter in die Hand, und nach kurzem Rufen kommen die kleinen Geißlein im Affenzahn angerannt und lecken das Futter aus der Handfläche. Das kitzelt so schön, dass ich kurz überlege, einfach eines davon als Haustier einzupacken. Für Familien mit kleinen Kindern ist das garantiert ein Einstiegs-Highlight in die Imster Bergwelt und definitiv einen Besuch wert.

Ausklang an der U-Alm

Wenig später überqueren wir nochmals den Malchbach, der sich hier schäumend seinen Weg ins Tal sucht, und erreichen die U-Alm. Genau der richtige Ort, um bei einem kühlen Getränk in der Sonne die Tour Revue passieren zu lassen. Die Lage ist traumhaft, die Küche grandios, besonders das TeppanYaki: ein Grillabend, bei dem die Speisen direkt vor dem Tisch zubereitet werden. Ein stimmungsvoller Ausklang.

Und dann mache ich doch noch das, worauf ich mich bei der Bergfahrt schon beim Zusehen so gefreut habe: Ich nehme den Alpine Coaster zurück nach Hochimst. Auf der längsten Sommerrodelbahn der Welt geht es auf gut 3,5 Kilometern und 500 Höhenmetern talwärts. Mit bis zu 40 Stundenkilometern sause ich durch die Berglandschaft und genieße Ausblicke, die ich bei diesem Tempo eigentlich gar nicht richtig fassen kann. Das Gefühl, wenn das Adrenalin durch den Körper schießt und selbst die erreichte Geschwindigkeit noch nicht genug ist, ist einfach unbeschreiblich schön. Überholen ist auf der Schiene nicht möglich, also bremst hier jeder aus einem von zwei Gründen: Entweder aus Angst vor der eigenen Geschwindigkeit oder weil der Vordermann genau diese Angst schon hat. Das macht echt jede Menge Spaß.

Die Wege dazwischen

Wenn man in Imst ist, ist diese Wanderung ein absolutes Muss. Die abwechslungsreiche Drei-Hütten-Tour mit ihren vielen Aussichten und Begegnungen ist einer der Gründe, warum ich so gern in den Alpen unterwegs bin. Es müssen ja nicht immer Gipfelerlebnisse sein. Manchmal bleiben die Wege dazwischen viel deutlicher in Erinnerung: der Griff zum kalten Stahlseil am Drischlsteig, das noch in den Handflächen nachzittert. Der Blick eines Hirten, der weiß, wie schnell aus Vertrauen Gefahr entstehen kann. Und am Ende die Erkenntnis: Hier oben ist man als Tourist immer nur ein Gast, nicht zu Hause. Und genau das macht den Unterschied und die Schönheit aus.

Tipps & Informationen

ANREISE
Mit den Öffis: Die Züge der ÖBB halten am Bahnhof Imst-Pitztal, Bahnhof. Von dort fahren im 30-Minuten-Takt Busse nach Imst, Terminal Post, von wo aus es dann Verbindungen in die umliegenden Dörfer und nach Hochimst gibt.
Mit dem Auto: In Imst kann man das Auto auf einem der Parkplätze des Ortes stehen lassen. Am besten eignet sich dafür vermutlich der Parkplatz am Stadtplatz.

AUSRÜSTUNG
Benötigt werden festes Schuhwerk, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und keine Angst vor schmalen, ausgesetzten Pfaden. Zwar ist der Steig zuweilen recht ausgesetzt, dafür aber sehr gut gesichert.

WEGEQUALITÄT
Der Weg führt vorwiegend über schmale Pfade, die nach Regen mitunter auch feucht sein können. Er ist vornehmlich alpin und geht gegen Ende auf geschotterten Zufahrtswegen weiter.

UNTERKUNFT
Ich kann das Stadthotel EGGERBRÄU im Zentrum von Imst empfehlen, in dem ich selbst geschlafen habe. Es ist modern und ansprechend eingerichtet, bietet Erholung und Entspannung und ist der ideale Ausgangspunkt für alle Unternehmungen in Imst und Umgebung. Die Lage ist ruhig und dennoch zentral. Vor allem die freundlichen Mitarbeitenden haben meinen Aufenthalt zu einem entspannten Genuss gemacht.

ESSEN & TRINKEN
Der Name ist hier Programm. Unterwegs laden drei Hütten entlang des Weges immer wieder zu einer Rast ein: Muttekopfhütte, Latschenhütte, U-Alm. Es empfiehlt sich, die Öffnungszeiten der Hütten im Vorfeld zu überprüfen.

!— BESONDERER TIPP —!
Anfang/Mitte Juni findet jährlich das Herz-Jesu-Feuer statt, eine alte Tiroler Tradition. Dabei werden an einem Samstagabend rund um die Sommersonnenwende Motive auf den Berghängen entzündet, die weithin sichtbar sind. Diese Tradition geht auf das Jahr 1796 zurück: Um dem drohenden Einmarsch napoleonischer Truppen zu entgehen, gelobte die Tiroler Bevölkerung damals, das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu” anzuvertrauen. Sie entzündeten Feuer an den Berghängen, um den Landsturm einzuberufen. Die unerwarteten Siege gegen die Angreifer wurden als göttliches Zeichen gedeutet und zu einer Tradition, die bis heute anhält. Bei guter Sicht hat man von der U-Alm einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berghänge bis weit hinüber ins Pitztal.

Wanderkarte

6,2 km

120/600 m

3,5 h

Alle benötigten Infos gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands der Outdoorregion Imst.

Infos zur Imst Card

Wer in Imst übernachtet, erhält automatisch die Imst Card. Mit dieser sind viele Eintritte vergünstigt oder sogar kostenlos und kann damit der ÖPNV vor Ort ebenfalls kostenlos genutzt werden. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Nächten kann die Seilbahn in Hoch-Imst sogar einmal täglich kostenlos genutzt werden! Das ist großartig und erleichtert Wanderungen in den höheren Lagen enorm.

Geführte Wanderungen (Mo-Fr)

Von Montag bis Freitag bietet der Tourismusverband zudem geführte Wanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden an. Interessierte geben einfach am Vortag bis 16 Uhr Bescheid und sind am nächsten Tag mit einem echten Profi auf Tour. Mit der Imst Card ist die Teilnahme dann sogar kostenlos.

*ANZEIGE — Disclaimer | Hinweis in eigener Sache
Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise, die von Outdoorregion Imst und Biss PR organisiert und durchgeführt wurde. Dafür wurden mir An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung sowie Eintrittsgelder zur Verfügung gestellt. Die rechtliche Kennzeichnung als „Anzeige“ erfolgt, da der Beitrag durch diese Leistungen beeinflusst ist. Auf meine persönlichen Eindrücke und abschließende Meinung wurde dagegen kein Einfluss genommen. Diese entsprechen ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

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