Die Rosengartenschlucht: Wo Wasser und Fels die Richtung vorgeben

Anzeige Ein Bach voller Gischt und ein kleiner See, der manchmal smaragdgrün leuchtet. Die Rosengartenschlucht bei Imst ist eine dieser Touren, die länger dauern als geplant und hinterher trotzdem viel zu kurz waren. Ein Wanderbericht.

Inhalt

Wanderung durch die Rosengartenschlucht bei Imst

Es nieselt. Nicht stark, aber stetig. Schon von weitem höre ich den Schinderbach rauschen, bevor ich ihn überhaupt sehe. Am Eingang der Rosengartenschlucht in Imst wartet Manuel Reindl, Bergführer aus Leidenschaft, mit hochgezogenem Reißverschluss und einem Lächeln, das sagt: Das Wetter ist zwar durchwachsen, aber kein Problem.

Die Regenjacke sitzt. Gut, dass ich sie dabei habe. Denn zur leichten Nässe von oben gesellt sich ab sofort wohl auch noch die Gischt von unten. Nach den Regentagen zuvor führt der Schinderbach ordentlich Wasser, und das sieht man. Der Weg schlängelt sich eng am Bachufer entlang, mal breit, mal schmal, und wird von einem Rauschen begleitet, das mal sanft, mal fordernd klingt. An den feuchten Felsen blühen Almrosen und Primeln. Farne leuchten in einem erstaunlich satten Grün, wie man es nur in feuchten Schluchten findet.

Durch enge Schluchten musst du gehen

Dann wird es ernst. Die Schlucht verengt sich, die Felsen ragen auf beiden Seiten empor und das Wasser bahnt sich in kleinen und größeren Wasserfällen seinen Weg durch das Gestein. Das sieht absolut beeindruckend aus.

Besonders der große Wasserfall lässt mich kurz innehalten. Das Wasser stürzt mit einer Kraft in die Tiefe, die ich körperlich spüre: als Zittern in der Luft und als Gischt im Gesicht. Die Brücke über den Schinderbach führt so nah an ihm vorbei, dass ich ihn beinahe berühren könnte. Ich probiere es nicht, aber die Versuchung ist groß.

Weiter oben winden sich die Serpentinen den Hang hinauf und plötzlich heißt es: „Kopf einziehen!”. Meterhohe Überhänge ragen tief über den Weg, an einigen hängen Seilschlingen. Sie stammen aus einer Zeit, in der hier noch professionell geklettert wurde. Heute findet man dagegen eher selten jemanden, der hier klettert, erklärt Manuel. Die Schwierigkeitsgrade taugen vor allem nur für Leute, die wissen, was sie tun, denn die Überhänge sind zum Teil sehr gefährlich.

Die Blaue Grotte bei Imst: Ein Überbleibsel aus anderen Zeiten

Nach der Unterquerung der Straße nach Hoch-Imst wird der Weg flacher. Durch den lockeren Wald hat man gelegentlich Einblicke in den oberen Teil der Schlucht. Diese kann man übrigens nur noch im Rahmen einer Canyoning-Tour mit Bergführer erkunden. Von den Aussichtsbänken lässt sich das Treiben im Bach, der knapp 50 Meter tiefer fließt, gut beobachten. Ich setze mich, schaue zu und höre das seichte Rauschen des Wassers. Angenehm ist das.

Kurz vor Hoch-Imst wartet mit der Blauen Grotte noch ein weiteres Highlight. Sie ist nicht auf natürlichem Wege entstanden, sondern wurde als Stollen beim Silberabbau von Menschenhand in den Fels getrieben. Ein kleiner See in einer Ecke der Höhle bringt bei richtigem Lichteinfall die Kalksedimente zum Leuchten. Blau, still, ein bisschen unwirklich. Ich stehe darin und frage mich, wie viele Generationen von Bergleuten hier wohl gearbeitet haben, bevor der Berg wieder sich selbst überlassen wurde. Und nun Jahr für Jahr von unzähligen Touristen besucht wird.

Von der Schlucht in die Berge

Am Natursee Hoch-Imst machen wir Rast. Das Wasser leuchtet selbst bei diesem Wetter einladend smaragdgrün. Mit 14 Grad Wassertemperatur ist der See heute genauso warm wie die Luft. Das verlockt einige Mitwandernde zur Mutprobe, in ihm zu schwimmen. Während die Unerschrockenen sich umziehen und gegenseitig Mut zusprechen, komme ich derweil mit Manuel ins Gespräch.

Dass er mir stets einen deutlichen Schritt voraus ist, erklärt sich fast schon von selbst. Der Mann ist fit. Konditionell und alpin gelassen auf eine Art, die nicht auf Training beruht, sondern auf Erfahrung. Als früherer Polizist der Alpinpolizei war er immer dann gefragt, wenn es in den Bergen tödliche Unglücke zu beklagen gab. Auch in den Bergen werden sie „Tatorte“ genannt und müssen genauso gesichert und begutachtet werden wie ein klassischer Tatort im Tal. 20 Jahre lang hat er das mit Leidenschaft gemacht, wie ich höre, und mit dem nötigen emotionalen Abstand, der einen nicht verhärtet, sondern schützt.

Irgendwann war ihm die Familie dann aber doch wichtiger als der Dienst. Also hat er gewechselt. Nun ist er zwar immer noch in den Bergen unterwegs, aber jetzt viel mehr, um andere in diese faszinierende Welt sicher zu begleiten. Und das passt. Sehr gut sogar.

Mein Fazit: Wer Zeit mitbringt, hat deutlich mehr davon.

Nach dem kalten Wasserbad ist es nur ein Katzensprung bis nach Hoch-Imst, wo die Wanderung endet. Wer noch mehr Berge erleben möchte, kann von hier aus die Seilbahn nehmen und höher in die Bergwelt fahren. Die Rosengartenschlucht lässt sich nämlich sehr gut mit anderen Wanderungen kombinieren. Man kann sie aber auch als eigenständige Klammwanderung erleben. Beides funktioniert.

Wer sich darauf einlässt, die Gespräche am Wegesrand zulässt und nicht nur die Kilometer abhakt, braucht allerdings länger als geplant. Das ist dann aber das i-Tüpfelchen dieser Tour und macht sie genau dadurch richtig schön.

PS: Die Wanderung ist nicht ganzjährig möglich. Während der Wintermonate von Ende Oktober/Anfang November bis ca. Anfang/Mitte Mai bleibt die Schlucht aus Sicherheitsgründen geschlossen und ist nicht begehbar.

Tipps & Informationen

ANREISE
Mit den Öffis: Die Züge der ÖBB halten am Bahnhof Imst-Pitztal, Bahnhof. Von dort fahren im 30-Minuten-Takt Busse nach Imst, Terminal Post, von wo aus es dann Verbindungen in die umliegenden Dörfer gibt. Der Start dieser Wanderung kann aber auch direkt an der Bus-Haltestelle Imst, Terminal Post begonnen werden.
Mit dem Auto: In Imst kann man das Auto auf einem der Parkplätze des Ortes stehen lassen. Am besten eignet sich dafür vermutlich der Parkplatz am Stadtplatz.

AUSRÜSTUNG
Benötigt werden festes Schuhwerk, Trittsicherheit und keine Angst vor schmalen Pfaden. Da es ein Klammweg ist, bei dem immer mal wieder Wasser aufspritzt, könnte Regenkleidung angeraten sein.

WEGEQUALITÄT
Der Weg führt vorwiegend über schmale, oft feuchte Pfade. Er ist aber nicht richtig ausgesetzt und meistens mit Geländer oder Stahlseilen sehr gut gesichert.

UNTERKUNFT
Ich kann das Stadthotel EGGERBRÄU im Zentrum von Imst empfehlen, in dem ich selbst geschlafen habe. Es ist modern und ansprechend eingerichtet, bietet Erholung und Entspannung und ist der ideale Ausgangspunkt für alle Unternehmungen in Imst und Umgebung. Die Lage ist ruhig und dennoch zentral. Vor allem die freundlichen Mitarbeitenden haben meinen Aufenthalt zu einem entspannten Genuss gemacht.

ESSEN & TRINKEN
Am Ende dieser Wanderung in Hoch-Imst empfiehlt sich eine Einkehr im Restaurant „Sonneck“. Es liegt mitten im Ort und ist sehr zu empfehlen. Die Küche ist richtig gut und die Lage einfach perfekt, um vielleicht noch ein paar Kilometer (oder eine Seilbahnfahrt auf 2.000 Meter) an die Wanderung anzuhängen.

!— BESONDERER TIPP —!
Direkt neben dem Restaurant „Sonneck“ in Hoch-Imst befindet sich die Anlaufstelle der „Alpinschule High Mountainworks Imst“. Dort können Canyoning-Führungen gebucht werden. Diese führen in einer leichten, kindergerechten Tour mitten ins Wasser der Rosengartenschlucht. Stilecht mit Neoprenanzug und Sicherungsseil geht es dann mit einem Führer ins kühle Nass. Gerade im Hochsommer ist das eine willkommene und abenteuerliche Abkühlung.

Wanderkarte

4,5 km

280/280 m

2,5 h

Alle benötigten Infos gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands der Outdoorregion Imst.

Infos zur Imst Card

Wer in Imst übernachtet, erhält automatisch die Imst Card. Mit dieser sind viele Eintritte vergünstigt oder sogar kostenlos und kann damit der ÖPNV vor Ort ebenfalls kostenlos genutzt werden. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Nächten kann die Seilbahn in Hoch-Imst sogar einmal täglich kostenlos genutzt werden! Das ist großartig und erleichtert Wanderungen in den höheren Lagen enorm.

Geführte Wanderungen (Mo-Fr)

Von Montag bis Freitag bietet der Tourismusverband zudem geführte Wanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden an. Interessierte geben einfach am Vortag bis 16 Uhr Bescheid und sind am nächsten Tag mit einem echten Profi auf Tour. Mit der Imst Card ist die Teilnahme dann sogar kostenlos.

DANKSAGUNG:
Ein dickes Dankeschön geht an dieser Stelle an Nady El-Tounsy, der mir zwei seiner Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. Nady ist Fotograf aus Berlin und richtig gut in dem, was er tut. Seine Reportage-, Sport- und Portraitaufnahmen erzählen Geschichten, wie ich sie mit Worten kaum besser hinbekommen würde: el-tounsy.com


*ANZEIGE — Disclaimer | Hinweis in eigener Sache
Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise, die von Outdoorregion Imst und Biss PR organisiert und durchgeführt wurde. Dafür wurden mir An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung sowie Eintrittsgelder zur Verfügung gestellt. Die rechtliche Kennzeichnung als „Anzeige“ erfolgt, da der Beitrag durch diese Leistungen beeinflusst ist. Auf meine persönlichen Eindrücke und abschließende Meinung wurde dagegen kein Einfluss genommen. Diese entsprechen ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

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