Lift auf die Schrammsteine

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Mein guter Freund Royko war noch nie in der Sächsischen Schweiz. „Na das lässt sich ändern“ sagte ich. Am Ende ging es ihm wie allen anderen auch: er war verliebt. „In die Postkartenidylle des Elbsandsteins“ sagt er, der bisher nur in den Alpen und an der Amalfiküste wandernd unterwegs war und nun eines der „mystischsten und schönsten Gebirge Deutschlands“ kennengelernt hat. Das wiederum sagt die GEO.
Bad Schandau unter Wolken, der Lift auf die Schrammsteine macht’s möglich.
Bad Schandau unter Wolken, der Lift auf die Schrammsteine macht’s möglich.

Rundwanderung von Bad Schandau über die Schrammsteine und den Fels Kuhstall (17km)

Der Liftboy im Historischen Personenaufzug Bad Schandau ist nur dem Namen nach einer. Genauso betagt wie das Gefährt, das er täglich bedient, knarzt und knurrt er sich über die fünfzig Höhenmeter hinauf nach Ostrau und weiß durch tägliche Wiederholung etwas abgeschliffenem Humor die Fahrzeit zu verkürzen. Klein ist die Kabine. Mit ihm, seinem Kassiertisch und uns findet noch ein Rentnerpärchen Platz. Dann wird es eng. Der Fahrpreis beträgt moderate 2,- € und wird günstiger, wenn man die im Hotel ausgefüllte Kurkarte dabei hat. Natürlich: haben wir nicht. Nichtsdestotrotz ist der Aufzug gleich zu Beginn der Wanderung in Richtung Schrammsteine ein kleines Highlight und sollte nicht achtlos liegen gelassen werden.

Die zerklüftete Felslandschaft der Schrammsteine von Ostrau aus gesehen
Die zerklüftete Felslandschaft der Schrammsteine von Ostrau aus gesehen

Ostrau, einst kleine Siedlung landwirtschaftlichen Ursprungs, erfuhr erst spät, nämlich durch Rudolf Sendig, eine kleine Renaissance. Als Ehrenbürger Bad Schandaus war sein Handeln eng mit der Umgebung verknüpft. Hoch über der Elbe ließ er ab 1903 seine „lieblichen Landhäuser“ errichten – Villen im alpinen Stil, freistehend und mit Weitblick. Noch heute wird er liebevoll verehrt. Ein Brunnen, ein Park, sogar die Hauptstraße durch den Ort tragen seinen Namen. Und eben die Villen in Ostrau. Von großzügigen Vorgärten umgeben in denen – und das in wirklich jedem einzelnen – wundervoll-blaue Rhododendren blühen.

Bunt blüht’s im Garten des Villenviertels von Ostrau
Bunt blüht’s im Garten des Villenviertels von Ostrau

Auf die Schrammsteine

Der Weg hinauf auf die zerklüftete Felsengruppe führt vornehmlich über Stufen und Stiegen. Und über Geduld. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Sächsische Schweiz zu einem der beliebtesten Touristen-Hotspots Deutschlands gewachsen und heißt es folgerichtig an den schmalen Eisenleitern anstehen. Denn wirklich alle, die auf die Aussichtsplattform rauf wollen, kommen auch über genau diese Stelle wieder zurück. Ein Mensch gemachtes Nadelöhr. Im frischen Wind, der über die freistehenden Felsen weht, schwebt ein Hauch von Wurst und Bier. Das mitgebrachte Picknick lässt sich beim Ausblick über das Elbsandsteinland nunmal doppelt so gut genießen.

Schramm, Schrammer, Schrammsteine.
Schramm, Schrammer, Schrammsteine.

Dem Schrammsteinweg in östliche Richtung folgend hat man fortan mehrere Möglichkeiten, die Sächsische Schweiz weiter zu erkunden. Man könnte dem ursprünglichen Plan folgen und zum Großen Winterberg weiterwandern, den Kleinen Winterberg ins Visier nehmen oder gar durch Nasser Grund am Kleinen Dom vorbei zur Hohen Liebe gehen. Alles Sandsteinfelsen, jeder einzelne wunderschön.

Ich entscheide mich für die denkbar ungünstigste Variante: fürs Verlaufen. An irgendeiner Wegkreuzung muss ich – vermutlich ins Gespräch vertieft – nicht richtig aufgepasst haben und schwupps, schon weiß ich nicht mehr, wo genau wir eigentlich sind. Im Grunde ist das auch gar nicht wild, da zum Einen mein Wanderfreund sich hier ja sowieso nicht auskennt und zum Anderen man immer irgendwo wieder rauskommt. Am Ende heißt das jedoch knapp 6 Kilometer Umweg und ganz nebenbei einen traumhaften Weg entdeckt. Nämlich den um die ganzen Affensteine herum. Auf diesem kommen uns zwar nur noch vereinzelt Wanderer entgegen, dafür zeigt sich aber das Hinterland der Sächsischen Schweiz von seiner wilden Seite.

Kletterfelsen mit Ausblick
Kletterfelsen mit Ausblick

Vom Kuhstall zum Lichtenhainer Wasserfall

Wo einst Mensch und Vieh dicht beieinander gedrängt den Unbilden des Wetters ausharrten, heißt es heute gemütlich in der Sonne sitzend Kaffee und Kuchen genießen. Der Ausblick ist famos und für die Kinder gibt es genug Felsen und Brocken zum Klettern und Erklimmen. Jegliches Alter tummelt sich um Fels und Tor und reges Treiben bietet wohltuende Ablenkung. Auch wir tun es den Massen gleich und genießen das Treiben etwas abseits des Weges.

Die letzten Kilometer bis zum Lichtenhainer Wasserfall, der trotz Trockenperiode und Waldbrandwarnstufe 4 noch genug Wasser führt, sind schnell gelaufen. Schließlich geht es vom Kuhstall nur noch bergab und die Aussicht, uns mit dem Industriedenkmal Kirnitzschtalbahn wieder zurück nach Bad Schandau schunkeln und quietschen zu lassen, beschleunigt unseren Schritt. Eine jugendliche Gruppe, geschätzt Anfang zwanzig, gesellt sich dazu und wir kommen ins Gespräch.

Ebenfalls aus Berlin kommend campen sie an der Ostrauer Mühle, einem der schönsten Campingplätze im Elbsandsteingebirge den ich kenne. Zum Abschluss ihrer Tour beschließen sie ebenfalls die gemeinsame Fahrt mit dem antiken Gefährt. Nur einer ihrer Mitfahrer sieht das anders. Mit knirschenden Zähnen tut er es den anderen zwar gleich, zeigt aber deutlich, was er von dem rostigen Teil und den für sein Empfinden zu hohen Fahrpreis hält. Nichts. Gruppendynamik birgt stets auch ihre eigenen Befindlichkeiten. Wir im Gegensatz genießen den Transport und beenden unseren kleinen Rundweg fast so, wie wir ihn auch begonnen haben: mit steinalter Technik.

Durch diese hohle Gasse werden sie kommen! Und die Affensteine bewundern.
Durch diese hohle Gasse werden sie kommen! Und die Affensteine bewundern.
Alles noch in Handarbeit: Umkoppeln des Triebwagens der Kirnitzschtalbahn
Alles noch in Handarbeit: Umkoppeln des Triebwagens der Kirnitzschtalbahn

Tipps & Infos

HINKOMMEN.
S-Bahn S1 bis Bahnhof Bad Schandau, von dort mit der Fähre zur Stadtmitte übersetzen. Der Fährpreis ist im S-Bahn-Ticket inkludiert.
Mit dem Auto bis zum kostenlosen P+R-Parkplatz am Bahnhof und ebenfalls mit der Fähre übersetzen. Dann kostet die Fähre allerdings 2,50 € (Stand 2021).

ZURÜCK.
Mit dem Industriedenkmal „Kirnitzschtalbahn“. Die alte, quietschende Straßenbahn ist ein kleines Highlight und Belohnung für die gelaufenen Kilometer. Fahrpreise: Erwachsener = 6,- €, Kinder bis 15 Jahren = 3,- €, Kinder bis 6 Jahre = kostenlos (Stand 2020).

AUSRÜSTUNG.
Für diese Wanderung benötigt es schon ein wenig Ausdauer, Schwindelfreiheit auf den Schrammsteinen und festes Schuhwerk. Nur mit Turnschuhen könnte es auf dem Sandstein etwas glatt werden.

UNTERKUNFT.
Empfehlenswert und als Ausgangspunkt für diese Wanderung sind das Parkhotel Bad Schandau bzw. das Hotel Lindenhof.

ESSEN & TRINKEN.
Da es sich um eine Tageswanderung handelt, wäre es auf jeden Fall gut, etwas zu Trinken (vor allem im Sommer) dabei zu haben. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Erst am Kuhstall gibt es ein Gasthaus, danach am Lichtenhainer Wasserfall und jede Menge unterschiedliche Restaurants in Bad Schandau.

BESONDERER TIPP.
Es empfiehlt sich ein Picknick unterwegs entweder auf den Schrammsteinen oder dem Kuhstall einzuplanen. Die Aussicht ist wirklich wunderbar und es lohnt sich, hier eine längere Pause zu machen. // AUCH: wie im Text beschrieben nicht den Weg oberhalb der Schrammsteine folgen sondern den Abzweig zu den Affensteinen. Das ist zwar ein Umweg, dafür hat man die Felsen aber dort fast für sich allein.

Karte & Überblick

WICHTIG.
Hin und wieder kann es passieren, dass inmitten des Nationalparks Wege gesperrt sind. Das sollte aber niemanden davon abhalten, die Tour zu wandern, da es meist eine gut ausgeschilderte Umgehung gibt. Weitere und vor allem tagesaktuelle Infos gibt es hier.

Informationen

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

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