Wandern rund um Admont im Nationalpark Gesäuse

Auf Tuchfühlung mit dem Frühling in Admont im Gesäuse, dem jüngsten Nationalpark Österreichs. Ein Wanderbericht mit vielen Infos, Tipps und einer Wanderkarte.

Inhalt

Der Frühling in den Alpen ist für mich Neuland und somit etwas ganz Besonderes. Denn während auf den Höhenlagen ab 1.500 Metern noch Schnee liegt, blühen im Tal bereits die Apfelbäume. Und die verströmen diesen ganz besonderen Duft nach Frische und Neuanfang.

Für meine ersten Frühlingswanderungen in den Alpen habe ich mir diesmal den jüngsten Nationalpark Österreichs ausgesucht. Und obwohl ich nichts Besonderes erwartet habe, wurde ich überrascht: von spektakulär aufragenden Felsen und einem grün schimmernden Fluss namens Enns, der diese Region über die Jahrtausende hinweg geschaffen hat. Mal kräftig rauschend, dann wieder leise säuselnd, windet er sich durchs Tal und gab dem Gebirgszug mit dieser Eigenschaft seinen Namen: Das Gesäuse.

Im Norden der Steiermark wartet somit ein Kleinod darauf, entdeckt zu werden. Den Anfang mache ich dabei mit einer Tour durchs Tal, in und rund um Admont. Einerseits, weil es allein in der größten Stadt des Gesäuses richtig viel zu entdecken gibt, andererseits, weil mir die vielen Schneefelder, die in der Sonne von den umliegenden Bergen leuchten, dann doch erst einmal Respekt einflößen.

Frühlingswanderung zum Warmwerden: Wandern rund um Admont (9 km).

Meine Runde starte ich am Bahnhof in Admont. Zunächst möchte ich nämlich die Stadtansichten von oben genießen, bevor ich mich in die überraschenderweise gar nicht so trubelige Stadt begeben werde. Denn die wartet noch mit einer echten Besonderheit auf. Darauf werde ich dann aber später noch genauer eingehen.

Zunächst folge ich den Wegweisern über den Kreuzbichlerweg bis zum Schloss Röthelstein. Das leuchtet nämlich schon aus dem Tal heraus äußerst einladend und thront auf einer lichten Anhöhe über dem Ort.Im 17. Jahrhundert als Sommerresidenz für Äbte und Mönche erbaut, diente es nach einem schweren Brand im 19. Jahrhundert nur noch als Ausweichquartier. Später wurde es erst von den Nationalsozialisten, dann von den Sowjets beschlagnahmt. Seit den 1970er Jahren nun dient es dem Jugendherbergsverband der Steiermark als Jugend- und Familiengästehaus und können auf der Burg auch Hochzeiten veranstaltet werden.

Leider entpuppt sich das Schloss bei meiner Ankunft nicht nur als geschlossen, sondern als überhaupt nicht zugänglich. Ein breites und hohes Tor verhindert, dass ich auch nur einen klitzekleinen Blick hineinwerfen kann. Was schade ist. Trotzdem macht die Burg von außen richtig was her und der Blick von hier auf den Ort Admont ist echt schön.

Von Schloss Röthelstein nach Admont im Nationalpark Gesäuse

Von der Burg aus geht es wieder gemütlich bergab, bis ich nach der Querung der wenig befahrenen Hauptstraße auf der gegenüberliegenden Seite wieder bergauf wandere. Dabei komme ich an diesen typischen alpenländlichen Bauten vorbei, deren unteres Stockwerk massiv und fest aus Stein gebaut wurde, während das obere aus Holz besteht und ein weit ausladendes Schrägdach hat. In den Gärten blühen die Obstbäume um die Wette und in der Ferne glänzen die Schneefelder der Ennstaler Alpen in der warmen Frühlingssonne.

Bei diesem Anblick komme ich natürlich nur langsam voran. Um mich herum surren die Bienen und Insekten, die vermutlich gerade Höchstarbeit leisten. Für einen Moment muss ich einfach stehen bleiben, atme die frische Frühlingsluft tief ein und schaffe es so, den Alltag Berlins hinter mir zu lassen. All den Stress, all die Sorgen und Nöte vergesse ich für diesen Moment und laufe wenig später befreit und gemütlich nach Admont.

Dort wartet mitten in der Stadt etwas ganz Besonderes auf mich. Gegenüber dem Park Café, in dem ich mir auf halber Strecke eine kurze Pause gönne, ragen die beiden Türme der Stifts- und Pfarrkirche zum heiligen Blasius auf. Diese ist Bestandteil des ältesten noch bestehenden Klosters der Steiermark, dem Stift Admont. Es wurde im 11. Jahrhundert von einem Salzburger Erzbischof gegründet und überdauerte Kriege, Reformationen sowie Brände. Noch heute ist das Kloster aktiv und wird von derzeit 23 Mönchen bewohnt und bewirtschaftet.

Besuch des Stifts Admont

Als ob das allein nicht schon Grund genug für einen Besuch wäre, beherbergt das Stift Admont zudem auch noch ein richtiges Schmuckstück: Die Stiftsbibliothek. Zwar wurde diese erst im 18. Jahrhundert angebaut, ist sie heute jedoch der weltweit größte Büchersaal in einem Kloster.

Und was für eine Schönheit dort auf mich wartet! Auf einer Länge von 70 Metern kann ich nicht nur die über 70.000 ausgestellten Bücher bewundern, sondern auch Fresken und Skulpturen von atemberaubender Schönheit entdecken. Hier empfiehlt es sich, an der 30-minütigen Führung teilzunehmen. So viel Wissen, das dort vermittelt wird, kann man sich zwar unmöglich merken. Es lohnt sich wirklich, die Hintergründe dieses Ortes zu erfahren, insbesondere mit Blick auf die Deutung der Deckengemälde. Zurecht bezeichnet sich die Bibliothek des Stifts Admont als das „Achte Weltwunder“.

Anschließend streife ich noch durch die liebevoll gepflegten Gärten des Klosters, deren Bänke zum Verweilen einladen. Trotz der vielen Besucher ist es hier ruhig und friedvoll. Zum Abschluss statte ich der Kirche einen Besuch ab, die mich anfangs schon von Weitem beeindruckte. Ich lasse mich von ihrem neugotischen Baustil, gepaart mit romanischen Wandmalereien, ziemlich beeindrucken. Obwohl sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts nach einem Brand des Klosters gebaut wurde, fühle ich mich viel weiter in der Zeit zurückversetzt. Und bleibe dann doch länger als geplant. Die Ruhe und der Friede, die diese Kirche ausstrahlt, fesseln mich, und ich streife immer wieder durch das hell erstrahlende Kirchenschiff. Es ist märchenhaft schön.

Am Ende noch die säuselnde Enns.

Nach meinem Besuch des Stifts streife ich noch durch den Ort und entdecke an einigen Häusern kleine Schilder. Darauf wird die Geschichte des jeweiligen Hauses erzählt. Viele von ihnen stehen schon seit Hunderten von Jahren und haben zumeist eine bewegte wie wechselhafte Geschichte hinter sich. Was man ihnen auch zuweilen ansieht.

Nach so viel Geschichte jedoch schließe ich die Wanderung noch mit einem kurzen Besuch der Enns ab. Die säuselt an dieser Stelle fast friedlich und leise vorüber, und das obwohl die Schneeschmelze gerade recht viel Wasser von den Bergen ins Tal treibt. Selbst der kleine Park an ihrem Ufer lädt zu einer Rast ein. An den Bäumen treibt der Frühling frisches Grün aus dem Braun der Äste. Dabei zwinkert die Sonne durch die Kronen und wirft spielerische Schatten auf den Weg. Das ist einfach nur herrlich schön.

An der Ostseite des Klosters umrunde ich dieses und gelange wenig später wieder zu meinem Ausgangspunkt zurück. So schön der Ort und das Kloster auch sind, der Bahnhof ist es eher nicht. Auch wenn das Gebäude frisch restauriert im schönsten Gelb mit der Sonne um die Wette strahlt, wirkt es leer und verlassen. Was schade ist. War doch einst die Eisenbahn eine Neuerung, deren Fortschritt mit aufwendiger Architektur gefeiert wurde. Heute ist das Haus leider nur noch ein Durchgangsort. Aber trotzdem ist es der Ausgangspunkt einer kleinen, aber richtig schönen Wanderung zum Warmwerden im Frühling im Nationalpark Gesäuse.

Tipps & Informationen

ANREISE NACH ADMONT
Entweder mit dem Zug der Gesäusebahn (sehr unregelmäßig). Besser gelingt die Anreise aber mit den Buslinien 910/912. Verbindungen findet man auf SCOTTY, der Fahrplanauskunft der ÖBB.
Das Auto kann man direkt am Bahnhof kostenpflichtig stehen lassen. Alternativ gibt es auch auf dem Klostergelände einen kostenpflichtigen Parkplatz. Kostenlos dagegen kann man in Admont meines Wissens nach nirgendwo parken.

AUSRÜSTUNG
Für diese Wanderung ist keine besondere Ausrüstung erforderlich. Die zu bewältigenden Höhenmeter sind ebenfalls moderat.

WEGEQUALITÄT
Es gibt sehr viel Asphalt und nur wenige Wald- und Forstwege. Einzig beim Aufstieg zum Schloss Röthelstein quert man auf schmalen, wurzeligen Pfaden Ackerwiesen.

UNTERKUNFT
Sehr zu empfehlen ist das Xseis NeSt im Ortsteil Weng im Gesäuse. Es liegt ca. 10 Minuten mit dem Auto oder dem Bus 910 von Admont entfernt. Die Zimmer sind geräumig und stilvoll mit Möbeln aus Echtholz eingerichtet. Ich habe selten so gut geschlafen. Ein toller Pluspunkt ist der Gemeinschaftsraum mit Küche, in dem man sich auch Speisen selbst zubereiten kann.

ESSEN & TRINKEN
Auf Schloss Röthelstein gibt es zwar ein kleines Café, das jedoch meist geschlossen ist.
Im Kloster selbst kann ich das Restaurant „Stiftskeller“ sehr empfehlen.
Dem Kloster und der Stiftskirche direkt gegenüber liegt das Park Café, das etwas preisgünstiger ist.
Eine richtig gute Küche gibt es im Gasthaus „Der Kamper“ an der Hauptstraße. Das Essen ist wirklich sehr lecker, wenn auch preislich etwas gehobener.

!— BESONDERER TIPP —!
Ein Besuch der Stiftsbibliothek im Stift Admont ist unbedingt empfehlenswert. Das ist etwas ganz Besonderes. Darüber hinaus lohnen sich auch ein Besuch des Museums für Gegenwartskunst, des Kunsthistorischen Museums sowie des Museums für Gotik. Diese befinden sich ebenfalls alle auf dem Klostergelände und sind im Eintrittspreis inbegriffen.

WEITERE INFORMATIONEN…
… gibt es auf der übersichtlichen Website des Tourismusverbands Nationalpark Gesäuse. Der Verband betreibt in der Admonter Innenstadt auch eine Tourist-Info, die für mich im Vorfeld die erste Anlaufstelle war. Hier gibt es Kataloge und Faltblätter mit vielen Informationen rund ums Gesäuse sowie persönliche Beratung während der Öffnungszeiten. Auch bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten kann man hier Hilfe erhalten.

Wanderkarte

9,2 km

280/270 m

3 h

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