Am Havelkanal entlang — 66-Seen-Wanderweg Etappe 2

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Rund um Berlin führt ein Weitwanderweg und verbindet die schönsten Seen Brandenburgs miteinander. Mein Bericht vom 66-Seen-Wanderweg Etappe 2.
Sven Becker
  Inhalt

Vielleicht schaffe ich es eines Tages, den ganzen Weg noch einmal zu gehen. Denn eigentlich ist dies meine fünfte Etappe auf dem Weg. Das Wetter verspricht hochsommerlich warm zu werden und für meine Alpentour 2023 brauche ich noch etwas Kondition. Was liegt da näher, als mich erneut auf den längsten Fernwanderweg Brandenburgs zu begeben. Genauer gesagt auf den 66-Seen-Wanderweg Etappe 2. Lets go!

Beginn des 66-Seen-Wanderweg Etappe 2 ist in Marquardt

Graue Schleierwolken hängen am blauen Himmel, der von weißen Kondensstreifen zerkratzt ist wie die Scheiben einer Berliner U-Bahn. Mit dem Regionalzug rausche ich aus der Großstadt und von Bahnhof zu Bahnhof wird es ländlicher. Irgendwann sind es nur noch Felder und einsame Dörfer, die ich aus dem Fenster sehe. Mit nur zwei Minuten Verspätung erreiche ich Marquardt.

Hier endete meine letzte Etappe, die eigentlich die erste ist und die ich vor drei Wochen gewandert bin. Und natürlich muss ich hier auch die zweite beginnen. Mein Ziel: den 66-Seenweg einmal komplett zu erwandern. Vier Etappen habe ich bereits und können hier nachgelesen werden.

Linien und Muster am Himmel über Marquardt
Linien und Muster am Himmel über Marquardt

Erste Schwierigkeiten kurz hinter Marquardt

Der Weg führt vom Bahnhof durch den Ort, immer an der Hauptstraße entlang. Dabei komme ich auch an der Schule vorbei. Dafür, dass der Ort recht klein wirkt, ist die Schule richtig groß. In den Gärten der Anwohner werden die Äpfel geerntet, der Rasen gemäht. Und plötzlich das: Im Gegensatz zur Deutschen Bahn kommt die Sonne pünktlich heraus.

Kurz hinter Marquardt unterquere ich die Bundesstraße, auf der für einen Sonntag unerwartet viel Verkehr herrscht, und biege kurz vor dem Industriegebiet rechts ab. Bisher sind mir relativ viele Radfahrer entgegen gekommen, aber noch kein einziger Wanderer. Nicht viel los auf dem Weg würde ich sagen. Was vielleicht auch daran liegt, dass der Weg hier relativ schlecht ausgeschildert ist. Wer ihn trotzdem gehen möchte, für den gibt es am Ende des Artikels einen Link zum entsprechenden GPS-Track und zur Wanderkarte. Unbedingt herunterladen! Sonst ist man wirklich aufgeschmissen. So, und jetzt rede ich nicht mehr davon.

Hinter der nächsten Biegung dann die große Überraschung: Die Bahn hat einen Zaun aufgestellt, das Tor ist verschlossen und ein Schild sagt „Betreten verboten“. Also für mich. Die ursprüngliche Strecke ist so nicht mehr zu laufen. Ich gehe das Stück bis zur Hauptstraße wieder zurück und versuche anders durch dieses Industriegebiet zu kommen. Meine Laune den 66-Seenweg einmal komplett zu wandern ist im Keller, Leute. Das kann doch nicht wahr sein! Da muss man wirklich ab und zu mal nachschauen, ob die Wege überhaupt noch begehbar sind!

Unmittelbar nach dem Gewerbegebiet biege ich in den Satzkorner Weg ein, der dann tatsächlich in Richtung Bahngleise führt. Kurz vor den Gleisen gehe ich links an einem alten, verlassenen Bahnhofsgebäude vorbei. Hier bin ich wieder auf der ursprünglichen Route und laufe auf scheinbar altem Kopfsteinpflaster.

Vorbei gehts auf dem 66-Seen-Wanderweg Etappe 2 am alten Bahnhof von Satzkorn
Vorbei gehts auf dem 66-Seen-Wanderweg Etappe 2 am alten Bahnhof von Satzkorn

Querfeldein im Zickzack

Die nächsten anderthalb Kilometer geht es immer am Bahndamm entlang. Im vertrockneten Gras zirpen die Grillen und in der Ferne rauscht die Autobahn. Der Weg verläuft hier auf Betonplatten, so dass ich gut und schnell Strecke machen kann. Kleiner Tipp am Rande: Sonnenschutz nicht vergessen! Die 66-Seen-Wanderweg Etappe 2 führt fast durchgehend nach Norden und so knallt einem gerade im Hochsommer die Sonne permanent in den Rücken.

Der Mais steht meterhoch und lädt förmlich zu einem Labyrinth ein. Die Kolben sind fast reif und nehme ich mir zwei fürs Abendessen mit. Gegenüber ist das Feld schon abgeerntet und liegt brach. Trocken und braun wartet es auf den nächsten Regen. Und wahrscheinlich auch auf die Wintersaat.

Dann das: Mitten im Zickzack durch die Felder kommt mir eine kleine Wandergruppe entgegen. Ich spreche sie direkt an und frage nach dem weiteren Weg, denn sie scheinen die gleiche Etappe wie ich zu laufen. Nur in die entgegengesetzte Richtung. Sie geben mir Tipps, wo ich mich besser nicht verlaufen sollte. Ich wiederum kann ihnen helfen, wie sie um das Industrie- und Gewerbegebiet bei Marquardt herumkommen. Zum Abschied bekomme ich eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Offenbar gibt es in Berlin eine Gruppe, die sich spontan zum Wandern trifft, und ich bin gerade auf sie gestoßen: SprechLaufWandern.

Nach einem kurzen, recht urigen Waldstück steige ich wenig später eine kleine Anhöhe hinauf und stehe ahnungslos und völlig überrascht am Havelkanal. Oberhalb davon verläuft der gut ausgebaute Treidelweg, eine Kombination aus Rad- und Wanderweg, der nun bis Brieselang meine weitere Laufstrecke sein wird. Hier stehen auch die ersten Bänke (bisher völlig Fehlanzeige) und mache ich nach 8,5 km meine erste Pause.

Immer mal wieder quere ich eine der angrenzenden Autobahnen.
Immer mal wieder quere ich eine der angrenzenden Autobahnen.
Durch diesen Dschungel führt ein kurzer Abschnitt des 66-Seen-Weg Etappe 2.
Durch diesen Dschungel führt ein kurzer Abschnitt des 66-Seen-Weg Etappe 2.
Havelkanal here we go. So - oder so ähnlich - schauen die kommenden 13 Kilometer aus.
Havelkanal here we go. So – oder so ähnlich – schauen die kommenden 13 Kilometer aus.

Entlang des Havelkanals

Im nächsten Ort führt der Weg zunächst über eine Brücke und dann auf der anderen Seite des Havelkanals durch dichten Wald an ihm entlang. Das ist einerseits sehr schön, weil es endlich mal Schatten gibt, andererseits aber auch sehr langweilig, weil man außer Bäumen nichts, aber auch gar nichts sieht.

In gebührendem Abstand voneinander sitzen Hobbyangler am Havelkanal. Gerade als ich an einem vorbeilaufe, zuckt seine Angelschnur. Er springt auf und zieht einen kleinen Barsch aus dem Wasser. Das nenne ich Glück. Sein Abendessen scheint gerettet.

Wenige Kilometer später verlasse ich den Havelkanal und kratzt der Wanderweg am Ortseingang von Wustermark. Nach der kleinen Vorstadtsiedlung führt er unter der Bahnlinie hindurch und gleich dahinter wieder zurück zum Havelkanal. Hier, an einer Stelle, an der ich es überhaupt nicht erwartet hätte, sehe ich dann auch das allererste Hinweisschild. „66-Seen-Rundweg, Regionalparkroute rund um Berlin“ steht da drauf, dazu ein weißes Viereck und ein blauer Kreis. Wahnsinn! Ganze 34 km seit Potsdam und hier am Ortsausgang von Wustermark steht das erste Hinweisschild. Hut ab vor so einer schlechten Beschilderung.

Gemütlich tuckern wenige Boote den Havelkanal entlang.
Gemütlich tuckern wenige Boote den Havelkanal entlang.
Die Dorfkirche von Buchow-Karpzow fest im Blick
Die Dorfkirche von Buchow-Karpzow fest im Blick

Kurz hinter Wustermarck

Unter der Brücke der Bundesstraße nach Wustermark hindurch führt der Weg auch hier immer weiter am Havelkanal entlang. Und das wohl bis Brieselang, denn der Ort ist nur noch 5 km entfernt. Doch schon kurz nach der Unterquerung kommt leider der nächste Umweg. Die auf der Karte bereits eingezeichnete Brücke ist nämlich noch nicht fertig. Das heißt: Baustelle. Da der Wanderweg aber direkt am Kanal entlang führt, kann er das an dieser Stelle nun nicht mehr. Diesmal ist es ein Bauzaun, der den Weg versperrt. Also heißt es auch hier wieder: Umweg. Schließlich sollen sich die Kilometer ja lohnen.

Über den Campingplatz, der wenig später sehr idyllisch direkt am Havelkanal liegt, führt der Weg zunächst über eine kaum befahrene Landstraße und gleich dahinter wieder zurück zum: ja klar, Havelkanal. Dem folge ich noch die letzten beiden Kilometer bis Brieselang.

Der Verkehrslärm bleibt mir die ganze Strecke treu. Kurz vor Brieselang muss ich noch einmal unter der Autobahnbrücke der A 10 hindurch, bevor ich kurz dahinter in den Ort einbiege. Der Weg dorthin ist versteckt und führt als Trampelpfad durchs Dickicht. Kurz vor der nächsten Brücke verlasse ich den 66-Seen-Weg, denn eigentlich geht es an dieser Stelle geradeaus weiter, aber ich gehe den Forstweg in Richtung Bahnhof. Hier fährt in einer halben Stunde der nächste Zug zurück nach Berlin.

Resümee der Etappe 2 von Marquardt nach Brieselang

Wahrscheinlich hat man es meinem Bericht schon angemerkt, aber ich bin stinksauer. Die zweite Etappe des Weges ist nicht nur richtig öde und langweilig, man hat zudem auch noch ständig Straßenlärm im Hintergrund. Zudem ist der Weg mal so richtig schlecht ausgeschildert. Das macht echt keinen Spaß.

Wer also vorhat, den 66-Seen-Weg in seiner ganzen Länge zu wandern, dem empfehle ich, in Marquardt in den Zug zu steigen und erst wieder in Brieselang auszusteigen. Denn diese Etappe kann man sich getrost sparen.

Tipps & Infos

HINKOMMEN.
Von Berlin aus gelangt man alle 30 Minuten (am Wochenende 1x stündlich) mit der Regionalbahn bis nach Potsdam, Marquardt Bhf.

ZURÜCKKOMMEN.
Von Brieselang, Bahnhof fährt alle 30 Minuten eine Regionalbahn zurück nach Berlin.

ESSEN & TRINKEN.
Da ich unterwegs nirgendwo eingekehrt bin, kann ich auch nicht sagen, wo es sich lohnt zu speisen. Auf jeden Fall würde ich bei entsprechendem Wetter empfehlen, Pausenbrote einzupacken und unterwegs irgendwo Rast zu machen. Tolle Spots gibt es hier entlang des Havalkanals. Manchmal mit Bank, dann allerdings in praller Sonne, oder aber am Ufer des Kanals.

BESONDERER TIPP.
Ein wenig Abwechslung bringen die beiden Dorfkirchen in Buchow-Karpzow bzw. in Wustermarck. So sie denn offen sind. // OBENDREIN läuft man in Wustermarck direkt an einer Eisdiele vorbei. Dort sollte man sich im Sommer unbedingt eine kleine Pause bzw. ein Softeis gönnen. Richtig lecker. // UND Fast in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof von Brieselang gibt es einen Künstlerhof. Ein Besuch lohnt sich.

!!! WICHTIG !!!
Unbedingt den GPS-Track downloaden und in seine eigene Wanderapp laden. Der Weg ist so schlecht ausgeschildert, dass man das, was da ist, eigentlich nicht als Ausschilderung bezeichnen kann. Andernfalls wäre ein Verlaufen vorprogrammiert.

GPS-Track

Wanderkarte

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