
Warum sich Winterwandern in der Sächsischen Schweiz lohnt
Verführerisch glitzert der Schnee in der warmen Sonne und knistert, wenn er von den Ästen der Bäume schmilzt. Dumpf klingt jede Bewegung, während ich Schritt für Schritt durchs frisch gefallene Weiß stapfe. Über mir spannt sich ein türkisblauer Himmel und zeichnet ein Spiel aus Licht und Schatten auf die weiße Landschaft unter den Sandsteingipfeln. Es gibt kaum etwas, das das Wanderherz mehr erfreut, als das Winterwandern Sächsische Schweiz.
Zugegeben: Er fällt nur noch selten, der Schnee. In den letzten Jahren blieben die Winter in Deutschlands Mittelgebirgen meist schneelos. Und, ja, damit auch ziemlich langweilig. Wenn er dann aber doch kommt, so wie in diesem Jahr, sollte man nicht zögern, eines der schönsten Gebirge Europas zu besuchen. Und es trotz Schnee zu erwandern. Denn das ist ein anderes, aber vor allem ein ganz besonderes Erlebnis.
In diesem Artikel bündele ich alle nötigen Informationen und Tipps, inklusive der schönsten Routen, die sich auch im Winter lohnen. Vorweg jedoch eine Warnung: Auf den Gipfeln der Sandsteinfelsen, besonders an exponierten und ausgesetzten Stellen, wird es bei Minusgraden schnell spiegelglatt. Und damit gefährlich. Was dagegen hilft, erkläre ich ebenso wie mögliche Ausweichstrecken, falls es dann doch einmal zu heikel wird.


Planst du ein Wanderwochenende in der Sächsischen Schweiz?
Dann ist die Stadt Wehlen der ideale Ausgangspunkt. Sie ist idyllisch gelegen, umgeben von einer atemberaubenden Naturkulisse und direkt am Eingang zum Nationalpark. Hier finden ruhesuchende Wanderer ihre Basis, um die vordere Sandsteinwelt der Sächsischen Schweiz zu entdecken.
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Meine top 5 Winterwanderwege in der Sächsischen Schweiz
Während die Bastei per Auto und Bus leicht erreichbar ist, meiden Touristen in den Wintermonaten oftmals andere Routen und Wege. Meist suchen nur Kenner oder Fotografen, den frühen Sonnenuntergängen auf der Spur, sie dann auf und verwandeln gerade letztere sie in herrliche Bilder. Denn in der Sächsischen Schweiz gibt es Naturspektakel in Hülle und Fülle. Egal, ob als Krönung Schnee liegt oder nicht.
Die folgenden fünf Wanderrouten kann ich bedenkenlos empfehlen, da ich sie bereits selbst schon im Winter gewandert bin. Doch auch hier gilt: bei Frost und Glätte bergen auch sie ihre Gefahren und sollte man diese nicht unterschätzen. Eine Beräumung im Winter findet natürlich weder auf der Bastei noch auf den anderen Gipfeln des Gebirges statt.

Tour 1: Von Wehlen über den Kleinen Bärenstein nach Königstein
Vom kleinen Ort an der Elbe aus führt der Weg hinauf zum Kleinen Bärenstein. Von dessen Felsplateau aus hat man vor allem Richtung Osten einen wunderschönen Ausblick. Bei klarer Luft und guter Sicht kann man im Osten sogar das schneebedeckte Riesengebirge erkennen. Vorbei am ruhigen Örtchen Thürmsdorf führt der Weg über den Abschnitt des Malerwegs und an der Festung vorbei bis ins beschauliche Königstein.
11,7 km
450/430 m
4 h

Tour 2: Von Wehlen zur Bastei-Aussicht und über Rathen und Rauenstein zurück
Diese kleine Rundwanderung ist anspruchsvoll, da auf ihr zwei Aussichtspunkte mit wunderbarem Ausblick erklommen werden: die belebte Bastei mit Hotel und Touristenmagnet sowie der beschauliche Rauenstein, der nur wenig frequentiert ist. Genau auf der Hälfte der Strecke lohnt sich eine Rast im Kurort Rathen mit Blick auf die Elbe, auf der bei Minusgraden auch gerne mal kleine Eisschollen treiben.
10 km
360/360 m
3,5 h

Tour 3: Eine Runde um das Polenztal bei Hohnstein
Im Winter erwarten einen im Polenztal vereiste Pfade, bizarre Eisformationen und ein atemberaubender Aufstieg durch den Schindergraben – perfekt für mutige Winterwanderer. Unterwegs kommt man an zwei Bauden vorbei, die zu einem Picknick einladen: der Brand-Baude (ein kleiner Abstecher) und der Waltersdorfer Mühle. Gerade im Winter ist diese Tour ein ganz besonderes Highlight inmitten der Sandsteinfelsen.
8,7 km
380/380 m
3,5 h

Tour 4: Malerweg Etappe 1 vom Liebethaler Grund bis in die Stadt Wehlen
Im Jahr 2026 feiert der Malerweg sein 20-jähriges Jubiläum. Viele Abschnitte davon sind auch im Winter problemlos machbar. Die erste Etappe bildet dabei einen ganz besonderen Einstieg in die Sandsteinwelt der Sächsischen Schweiz. Egal, ob es entlang des Flüsschens Wesenitz geht oder man sich am Felsentor im Uttewalder Grund bücken muss – diese Etappe ist wie geschaffen für eine Winterwanderung.
11,5 km
110/140 m
3,5 h

Tour 5: Rundtour über 3 Berge zum Sonnenuntergang auf den Gohrisch-Gipfel
Diese Rundtour ist auch im Winter ein absolutes Highlight. Von Gohrisch erforscht man erst die Höhlen am Kleinhennersdorfer Stein, trinkt wenig später eine heiße Schokolade auf der Bergbaude des Gohrisch und lässt die Tour mit dem frühen Sonnenuntergang auf dem Gohrisch-Gipfel ausklingen. Stirn- oder Taschenlampe nicht vergessen! Die letzten zwei Kilometer geht man nämlich in Dunkeln.
6,5 km
220/220 m
2,5 h

Weitere tolle Wanderungen im Buch „Wanderträume Sächsische Schweiz“
Noch mehr Winterwanderungen in der Sächsischen Schweiz gibt es in meinem Wanderführer „Wanderträume Sächsische Schweiz“, welcher seit April 2025 im regulären Buchhandel erhältlich ist. Darin habe ich 25 wunderbare Wanderungen zum Entdecken und Genießen gesammelt, die auf die schönsten Strecken und Abschnitte dieses atemberaubenden Gebirges führen.

Tipps für sicheres Wandern im Winter Sächsische Schweiz
Bei Minusgraden und Schnee wird etwaige Feuchtigkeit auf den Wegen, vor allem aber den freistehenden Sandsteinfelsen, tückisch glatt. Bei meinem letzten Besuch an der Bastei hatten die Massen, die zur Brücke und zu den Aussichtspunkten drängten, die Pfade zu blankem Eis poliert. Normales Gehen? Kaum möglich. Man bewegte sich wie ein Äffchen, krampfhaft am Geländer festgeklammert. Putzig, ja, aber gefährlich.
Dagegen helfen zwei Dinge. Erstens: Im Winter in der Sächsischen Schweiz unbedingt Grödel*, besser noch Spikes*, dabeihaben. Bei Bedarf schnallt man sie fix über die Wanderschuhe und läuft sofort sicherer.
Zweitens: robuste Wanderstöcke*. Sie geben auch auf glatten Flächen Halt und sind in Kombination mit Grödeln oder Spikes unschlagbar. Gerät das Gleichgewicht aus dem Takt, stützt man sich auf die Stöcke und verhindert so einen Sturz.


Für wen beides nichts ist, dem rate ich wenigstens zu guten Wanderstiefeln*. Keine Turnschuhe, keine Straßentreter, keine Sneaker. Denn Wanderstiefel haben einen hohen Schaft, der beim Umknicken oder Ausrutschen die Gelenke stützt. Außerdem verfügen sie über eine robuste Sohle mit Profil, was Schritte auf Schnee halbwegs sicher haften lässt. Ich nutze seit Jahren auch im Winter meine normalen Wanderstiefel. Deren Vibram-Sohle greift gut, und das Leder hält in Verbindung mit der Gore-Tex-Membran genug Wärme im Schuh, sodass ich selbst bei Minusgraden nicht friere. Am Ende entscheidet aber jeder für sich, ob es richtige Winter-Wanderstiefel oder „normale“ Wanderstiefel sein sollen. Hauptsache, die Sohle hat genug Grip.
Zu guter Letzt gilt: unbedingt die Zeit im Blick behalten! In den Wintermonaten wird es früh dunkel. Wer sich in der Pause vertrödelt und die Aussicht zu lange genießt, irrt am Ende im Dunkeln umher. Was einfach hochgefährlich ist. Im Winter 2025/26 zum Beispiel musste die sächsische Bergwacht mehrmals ausrücken. Wanderer trauten sich nicht mehr von den Felsen, oder sie verloren im Dunkeln bei Schnee und Glätte die Orientierung. Meine Top fünf Winterwanderungen tragen dem Rechnung und dauern selten länger als vier Stunden reine Gehzeit. Was ideal ist, und man sich am Ende der Wanderung meist noch in einem gemütlichen Café wieder aufwärmen kann.

Packliste fürs Winterwandern Sächsische Schweiz
Das Zwiebelschicht-System richtiger Kleidung habe ich an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben. Wie man sich daher im Winter richtig kleidet, werde ich hier nicht nochmal erklären. Auch wenn ich zum Beispiel warme Handschuhe im Winter für unersetzlich halte. Darüber hinaus sollte man auf einer Winterwanderung aber ein paar Sachen dabei haben, die mit wenigen Ausnahmen auch im Sommer eine Bereicherung darstellen können.

Zuallererst: Grödel*. Oder in meinem Falle: Spikes*. Die habe ich mal von einem Hotel in einem tschechischen Bergland geschenkt bekommen und haben die mir schon auf den dortigen Winterwanderungen sehr geholfen. By the way: wer es noch nicht kennen sollte – das Braunauer Bergland ist ebenfalls ein kleines Sandsteingebirge und von mindestens ähnlicher Schönheit, wie die Sächsische Schweiz. Auch im Winter.
Wie erwähnt, nutze ich auch im Winter Wanderstöcke*. Sie helfen, das Gleichgewicht auf nicht ganz so trittsicheren Wegen zu wahren, und entlasten gleichzeitig die Gelenke bei Auf- und Abstieg. Und das nicht nur im Winter.


Das Mitführen eines Biwaksacks* ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Sollte es doch einmal zu einer Verletzung kommen – egal, ob bei einem selbst oder anderen –, hält er den Verletzten warm, bis die Bergwacht oder der Rettungsdienst eintrifft. Und das kann im Winter durchaus eine ganze Weile dauern.
Im Winter verdunstet man über den Atem mehr Feuchtigkeit, als man gemeinhin glaubt. Daher habe ich neben einer Isolierkanne* mit Tee auch immer eine kleine Flasche Wasser dabei. Diese sollte möglichst körpernah im Rucksack verstaut werden, da das Wasser darin sonst auf der Wanderung sehr kalt wird.


Wenn die Sonne scheint, kann man auch bei Minusgraden eine Pause machen. Dafür habe ich immer ein Sitzkissen* mit Isolationsschicht dabei. Dadurch dringt die Kälte der Steine oder des Bodens nicht durch und man kühlt in der dafür anfälligen Körperregion somit nicht aus.
Last but not least: Offline-Karten zur Navigation. Nicht überall in der Sächsischen Schweiz hat man Empfang. Gut sortierte Karten können dabei helfen, wieder den richtigen oder den schnellsten Weg zu einem Ort zu finden. Gerne auch in digitaler Form.


Apropos: Eine Powerbank für das Handy kann auch nicht schaden. Bei Kälte verlieren die Akkus elektrischer Geräte schneller ihre Energie. Eine Powerbank kann in solchen Situationen lebensrettend sein.
Zu guter Letzt: eine Stirnlampe* oder ersatzweise eine Taschenlampe mitnehmen. Sollte man sich doch mal in der Zeit vertun, hat man so wenigstens die Möglichkeit, sich einigermaßen im Gelände orientieren zu können. Die Taschenlampe des Handys reicht dafür leider nicht.

Damit nichts vergessen wird auf den Winterwegen der Sächsischen Schweiz, gibt es all das auf einer Zusatzseite für meine Packliste zum Download: Packliste Winterwandern.
Lust auf einen Wanderurlaub in der Sächsischen Schweiz?
Dann ist Bad Schandau der ideale Ausgangspunkt. Von der quirligen Stadt an der Elbe führen viele Wanderwege in die atemberaubende Naturkulisse der Sächsischen Schweiz. Mit der Kirnitzschtalbahn oder dem Bus gelangt man zudem ins Hinterland und damit tief in die Kernzone des Elbsandsteingebirges.
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