Wandern in Rheinhessen: Auf dem Rheinterrassenweg #Bloggerwandern

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Anzeige Ein richtig schöner Weitwanderweg in Rheinhessen ist der „Rheinterrassenweg“. Der führt auf 75 Kilometern ganz entspannt von Worms nach Mainz. Ein erster Eindruck.
Sven Becker
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Ich gebe es lieber gleich zu: Rheinhessen kannte ich bisher nur aus dem Supermarktregal. Die Weine, die beim Discounter angeboten werden, kommen zum Teil von dort und schmeckten mir eher so lala. Ich hatte keine Ahnung, wo genau Rheinhessen liegt und was dieser Landstrich eigentlich zu bieten hat. Umso neugieriger war ich, als die Einladung zum Bloggerwandern in genau diese Region erfolgte. Oha, dachte ich mir. Das klingt spannend. Mal sehen, was Rheinhessen außer billigem Wein bei Lidl & Co. noch so kann. Und vor allem: geht eigentlich Wandern in Rheinhessen? Kleiner Spoiler: Das tut es. Und zwar richtig gut.

Hanglage am Rhein – Wandern in Rheinhessen auf dem Rheinterrassenweg
Hanglage am Rhein – Wandern in Rheinhessen auf dem Rheinterrassenweg

Von Nackenheim direkt rein ins Vergnügen

Ausgangspunkt für meinen Ausflug nach Rheinhessen ist Nackenheim. Direkt am Rheinterrassenweg gelegen, werden meine Bloggerkolleg:innen und ich auf dem Weingut Sans-Lorch empfangen. Und wie es sich für die Region offensichtlich gehört, gleich mit regionalen Tapas und gekühltem Winzersekt versorgt. Erste Überraschung: der schmeckt erstaunlich gut. Und so gar nicht, wie ich es bisher vom Discounter gewohnt war.

Nach Speis und Trank geht es los. Kurz durch den Ort und schon bin ich auf dem Rheinterrassenweg himself. Ein kurzer Anstieg führt aus Nackenheim heraus und wenig später stehe ich über dem Rhein. Und mitten in den Weinbergen. Ihr Grün schimmert angenehm beruhigend in der hoch stehenden Sonne und verströmt Winzerflair.

Klar, Rheinhessen wird von Kennern gern als „rheinhessische Toskana“ bezeichnet. Oder als „Rhein-Toskana“. Kein Wunder, denn die sanft geschwungenen Hügel und der weite Blick bis zum Horizont, der nur von kleinen Ortschaften unterbrochen wird, erinnern stark an das italienische Pendant.

Wirklich schön ist es hier. Auch wenn der Rheinterrassenweg größtenteils den Wirtschaftswegen der Winzer folgt. Was für Wanderfüße dann eben bedeutet: Hier läuft man auf Asphalt.

Wandern in Rheinhessen heißt durch Weinberge laufen
Wandern in Rheinhessen heißt durch Weinberge laufen
Aussichtspunkte mit Fernblick noch und nöcher entlang des Rheinterrassenwegs
Aussichtspunkte mit Fernblick noch und nöcher entlang des Rheinterrassenwegs
Wandern in Rheinhessen bedeutet den Rhein in der Nähe und mitten durch die Weinfelder.
Wandern in Rheinhessen bedeutet den Rhein in der Nähe und mitten durch die Weinfelder.

Wandern in Rheinhessen auf dem Rheinterrassenweg

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs. Der Rheinterrassenweg ist der einzige Fernwanderweg in Rheinhessen und mit seinen knapp 75 Kilometern sehr gut an einem verlängerten Wochenende zu bewältigen. Dabei folgt er, wie bereits erwähnt, überwiegend den Wirtschaftswegen der Winzer durch reizvolle Dörfer und Städtchen von Worms nach Mainz. Oder auch umgekehrt. Je nach Belieben. Ein Ein- und Ausstieg entlang der Strecke ist jederzeit möglich, da die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sehr gut ausgebaut ist.

Insgesamt 750 Höhenmeter sind auf diesem Weg zu meistern. Was nun wirklich nicht nach einer großen Anstrengung klingt. Denn hoch über dem Rhein bieten sich abwechslungsreiche Ausblicke und Fernsichten, die nur noch von den vielen kleinen Weinbergen getoppt werden. Wer also zu übermäßigem Alkoholgenuss neigt, könnte hier sein Eldorado finden. Oder sein Verhängnis. Je nach Disziplin.

Nächster Stopp, nächster Wein

Meine ist es nicht. Also stark ausgeprägt. Jedenfalls nicht an diesem Blogger-Wochenende. Und schon gar nicht, wenn an einem der schönsten Aussichtspunkte – nämlich dem Roten Hang – ein zum Weinlaster umgebauter alter Barkas mit neuen Köstlichkeiten wartet. In diesem Fall einem Riesling. Boah ist der lecker. Boah ist die Aussicht schön.

Michael Voss, der Betreiber des Weinlasters, spricht von einem Unikat und einem Traum. Er ist selbst kein Winzer, arbeitet aber mit solchen aus Nierstein zusammen. Für Events und Veranstaltungen lässt er sich buchen und fährt mit dem antiken Gefährt (wer nicht weiß, was ein Barkas ist, kann hier nachschauen) durch die Gegend. Im Gepäck: ausgesuchte Spitzenweine und selbstgemachter Spundekäs. Das ist eine regionale Köstlichkeit, die vor allem in Kombination mit dem richtigen Wein echt super schmeckt.

Am Ausblick „Roter Hang“

Auch hier wieder ein kleiner Exkurs. Der Rote Hang heißt so, weil er für die Region ziemlich steil ist und außerdem aus rotem Sandstein besteht. Das klingt vielleicht ungewöhnlich. Aber es spricht für mineralische Böden.

Und das tut nicht nur dem Auge gut – Stichwort: Aussicht -, sondern auch dem Wein, der hier wächst. Denn der neigt von Natur aus dazu, Spurenelemente aus dem Boden in die Frucht zu übernehmen und hilft so dem Winzer, einen ganz eigenen Charakter zu formen. Und den schmeckt man bei jedem Schluck. Ich kann es nur nochmal sagen: Boah ist der Riesling lecker.

Am Roten Hang findet alljährlich im Juni ein Fest regionaler Winzer:innen statt.
Am Roten Hang findet alljährlich im Juni ein Fest regionaler Winzer:innen statt.

Tagesziel: Nierstein

Vom Roten Hang bis zum Tagesziel in Nierstein ist es nicht mehr weit. Immer durch die Weinberge brennt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Sonnenschutz ist hier Pflicht. Wie in der Toskana ist die Anzahl der Bäume oder gar Wälder auf diesem Weg wirklich überschaubar. Man ist den Elementen ausgeliefert. Und das sollte man wissen, um sich entsprechend vorzubereiten.

Aber allein dieser kurze Abschnitt hat mich neugierig gemacht. Neugierig auf mehr Wandern in Rheinhessen, auf den regionalen Wein und das kulinarische Angebot. Zum Glück bleibe ich noch zwei Nächte und kann mir anschauen, was die Region noch zu bieten hat. Wobei ich schon jetzt aus voller Überzeugung sagen kann: Rheinhessen-Weine aus dem Discounter haben mir irgendwie einen falschen Eindruck vermittelt. Die Weine vor Ort schmecken deutlich leckerer.

Noch in der Ferne aber sicher bald da: Nierstein
Noch in der Ferne aber sicher bald da: Nierstein
Für lukullischen Genuss unterwegs ist gesorgt: der Weinlaster
Für lukullischen Genuss unterwegs ist gesorgt: der Weinlaster

Vom Glück und Unglück der Winzer:innen in Rheinhessen

Am Abend sind wir im Weingut Paulinenhof zu einer Weinprobe eingeladen. Grauburgunder, Sauvignon Blanc und ein Rosé entführen genussvoll in die Geschmacksvielfalt des Weingutes. Nebenbei erfahre ich aus erster Hand von den Sorgen und Nöten der Winzer. Denn der Klimawandel macht auch vor ihrem Beruf nicht halt. Dem Riesling geht es gar nicht gut. Er verträgt die neuerdings sehr trockenen Sommer nicht und die Winzer:innen müssen umplanen. Was gar nicht so einfach ist. Eine neu gepflanzte Rebe braucht bis zu zehn Jahre, bis sie Ertrag bringt. Da sind vorausschauende Planung und etwas Glück natürlich Gold wert. Aber wer kann schon in die Zukunft schauen und weiß wirklich, wie sich das Klima in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird?

Auch der Gärprozess – die sogenannte Önologie – wird auf dem Weingut anschaulich erklärt. Zum Beispiel, welche Hefen gut sind und welche man bremsen oder meiden sollte. Welche es lieber kalt mögen und welche lieber warm. Oder nichts von alledem. Auf dem Paulinenhof erhalte ich einen Einblick in die Arbeit von Winzer:innen und kann sagen: Jede Menge zu tun, bevor so ein Tropfen die Kehle hinunter rinnt.

<span>Summertime</span> Weinprobe auf dem Paulinenhof
Summertime Weinprobe auf dem Weingut Paulinenhof
Tim vom Weingut Paulinenhof vermittelt unterhaltsam die Welt der Önologie
Tim vom Weingut Paulinenhof vermittelt unterhaltsam die Welt der Önologie

Im Lichte der untergehenden Sonne fachsimpeln und trinken wir Blogger:innen und bin ich froh, meine eingangs angedeutete Erwartung vor Ort überprüfen zu können. Denn das, was ich bisher über Wein und Wandern in Rheinhessen wusste, stimmte so gar nicht mit der Realität überein. Es tut gut, von Zeit zu Zeit die eigenen Eindrücke zu hinterfragen. Und vor allem neue zu gewinnen. Wirklich gut.

Randnotiz die wichtig ist:

PS: Nein, Rheinhessen liegt nicht in Hessen, sondern in Rheinland-Pfalz. Die Grenze zwischen den beiden Bundesländern ist in diesem Abschnitt der Rhein. Alles rechts davon ist hessisch, alles links davon rheinland-pfälzisch. Das sollte ich unbedingt mitgeben. Denn das sei sehr wichtig. Zumindest für die Rheinhessen. Die ja keine richtigen Hessen sind. Und, wie ich verstanden habe, auch keine sein wollen. Prost. 😉


WEITERE INFOS…
… gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands Rheinhessen. Und na klar, vieles dreht sich dort um den Weinanbau. Was aber auch gut ist! Seit meiner Wanderung durch eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschlands (Saale-Unstrut) bin ich großer Fan vom Wandern in Kombination mit Wein. Das funktioniert nämlich richtig gut und ist gerade an lauen Sommerabend ein echter Bringer. Top-Empfehlung meinerseits!

Tipps & Infos zum Wandern in Rheinhessen

HINKOMMEN.
Der Rheinterrassenweg ist super an den ÖPNV angebunden. Parallel zum Wanderweg fährt im Tal die Eisenbahn und gibt es in fast jedem noch so kleinen Ort eine Haltestelle. Mit dem Auto anzureisen lohnt sich daher so überhaupt nicht. Zumal man ja dann trotzdem mit der Bahn wieder zum PKW zurück muss. Kann man eigentlich auch gleich den Zug nehmen.

AUSRÜSTUNG.
Für diese Wanderung benötigt es keinerlei besondere Ausrüstung. Plant man alle Etappen als Fernwanderung, wäre höchstens Wechselkleidung zu empfehlen.

UNTERKUNFT.
Fast alle kleinere Ortschaften verfügen über Gasthäuser oder Pensionen bzw. einige wenige auch über Hotels. Da ich selbst in keinem der Hotels entlang des Rheinterassenwegs genächtigt habe, kann ich auch keines empfehlen. Aber Google hilft da sicher. Oder die Buchungsplattform des Tourismusverbands Rheinhessen.

ESSEN & TRINKEN.
Genug Trinken ist gerade im Sommer Pflicht. Man kann zwar fast überall unterwegs einkehren, aber brennt die Sonne vom Himmel, wäre es schon gut was dabei zu haben. Stichwort keine Wälder, kaum Schatten. Und vor allem dann, wenn man unterwegs auch den ein oder anderen Tropfen probieren möchte.

BESONDERER TIPP.
Ist man in Nackenheim, sollte man einen Besuch des Weinguts Sans-Lorch unbedingt einplanen. Der Garten ist ein Traum und sind die Weine echt lecker. Vor allem die selbstgemachten, regionalen Tapas kann ich sehr empfehlen. // OBENDREIN Wandern in Rheinhessen geht auf diesem Weitwanderweg richtig gut. Stört man sich nicht an dem recht häufigen Asphalt, läuft es sich hier wie am Schnürchen. Dennoch sollte man bei den Aussichten genug Zeit einplanen. Die sind richtig schön und bei gutem Wetter jede Pause wert.

Wanderkarte

Hinweis in eigener Sache (Disclaimer)
Meine hier beschriebenen Eindrücke durfte ich im Rahmen des 10. Bloggerwanderns sammeln. Eingeladen und veranstaltet wurde diese von den Gastlandschaften der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. Dabei sind mir Anreise, Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung gestellt worden, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Auf meine abschließende Meinung wurde kein Einfluss genommen. Diese entspricht ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

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