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Wanderurlaub in Südtirol – eine Beziehung mit Parkplatz
Ich war oft in Südtirol. Und immer mit dem Auto. Parkplatz am Talschluss, Rucksack raus und los. Das ist bequem, unkompliziert – und, wenn ich ehrlich bin, ziemlich gedankenlos. Denn während ich so dastand und über den überfüllten Parkplatz lief, kam mir zum ersten Mal die Frage: Muss das eigentlich so sein? Südtirol hat doch auch einen guten Nahverkehr, der sich in vielen Tälern wirklich sehen lassen kann. Genutzt habe ich ihn trotzdem kaum.
Wobei: Ganz stimmt das nicht. Zum Pragser Wildsee bin ich damals mit dem Bus gefahren. Das war allerdings keine bewusste Entscheidung, sondern der Parkplatz war bereits vormittags überfüllt. Und zu den Drei Zinnen habe ich ebenfalls den Nahverkehr genutzt. Allerdings auch nicht aus Überzeugung, sondern um mir Zeit und die Kosten der Mautstraße zu sparen. Denn wer je vor dieser Mautstation gewartet hat, weiß, wovon ich rede. Aber das waren Ausnahmen. Notlösungen. Kein bewusstes Umdenken.
Und jetzt ist mir dieses Buch* in die Hände gefallen. „Öffi-Touren in Südtirol. 40 entspannte Wanderungen ohne Auto” von Rosmarie Rabanser Gafriller, erschienen im März 2026 im Verlag Athesia Tappeiner. Es ist 192 Seiten dick, farbig bebildert und vor allem handlich im Taschenformat. Auf den ersten Blick ist es ein Nischenprodukt. Auf den zweiten Blick ist es jedoch eine stille Kurskorrektur für all jene, die Südtirol bisher immer mit vollgepacktem Auto besucht haben. Also für Leute wie mich.

Was drin steckt und wer dahintersteckt.
Rosmarie Rabanser Gafriller ist keine Schreibtischtäterin. Die pensionierte Lehrerin aus Barbian ist selbst AVS-Wanderführerin, kennt alle Regionen Südtirols zu Fuß oder mit dem Rad und ist seit Jahren überzeugte Öffi-Nutzerin. Das merkt man dem Buch auch an. Hier schreibt keine, die sich das Thema von außen erschlossen hat, sondern eine, die es in ihrem Wanderalltag lebt.
Darin aufgeschlüsselt sind 40 Touren in Südtirol, die alle mit Bus, Bahn oder Seilbahn erreichbar sind. Die Wanderungen sind auf alle Landesteile Südtirols verteilt: vom Vinschgau über Bozen und Umgebung bis ins Pustertal und die Dolomiten. Es gibt unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und verschiedene Längen. In diesem Buch finden Familien genauso entspannte Touren wie Höhenmeter-Fans. Jede Tour folgt dem bewährten Schema eines Wanderführers: Zur ausführlichen Wegbeschreibung gibt es kartografische Ausschnitte, Daten zu Länge, Höhenmetern, Schwierigkeit und Gehzeit sowie Einkehrtipps und Fotos. Das ist kompakt und umfassend.

Der eigentliche Mehrwert liegt jedoch woanders, nämlich bei den Angaben zur An- und Abreise. Es gibt konkrete Angaben zu Linien, Bahnhöfen und Umstiegen. Es gibt keine vagen Angaben wie „gut mit dem Bus erreichbar”, die beim Öffnen der Wander-App dann in Ratlosigkeit enden. Wer schon einmal einen ähnlichen Führer in der Hand hatte und sich von den darin erwähnten Öffi-Linien inspirieren ließ, nur um danach zwanzig Minuten auf irgendeiner Verkehrs-App nach der richtigen Verbindung zu suchen, weiß, was ich meine.
Wandern mit öffentlichen Verkehrsmitteln öffnet vollkommen neue Möglichkeiten, denn Startpunkt und Zielort müssen nicht mehr derselbe sein.
Dr. Joachim Dejaco,
Generaldirektor der Südtiroler Transportstrukturen AG
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Und hier punktet das Buch* mit einem praktischen Extra: QR-Codes verlinken direkt zu südtirolmobil und die GPS-Daten aller Touren stehen kostenlos und unbefristet zum Download bereit. Das ist kein Selbstverständnis, sondern ein echter Mehrwert.
Auch die Fotos machen Lust aufs Losgehen. Es sind keine inszenierten Hochglanzaufnahmen mit perfektem Licht und einem Wandermodel in neuen Schuhen. Vielmehr zeigen sie echte Situationen und Landschaften. Alles ist authentisch. Denn Südtirol braucht keine Schönfärberei – es ist von Natur aus schön. Und das vermittelt das Buch auch.

Was mir aufgefallen ist:
Wie Generaldirektor Dr. Joachim Dejaco von der STA bei der Buchvorstellung treffend formulierte, eröffnet Wandern mit Öffis vollkommen neue Möglichkeiten. Startpunkt und Zielort müssen nicht mehr identisch sein. Man wandert von A nach B, steigt in den Bus und fährt entspannt zurück. Es gibt keinen Rückweg auf derselben Strecke und man braucht kein Auto, das irgendwo wartet. Diese simple Erkenntnis mag banal klingen, sie verändert jedoch die Art und Weise, wie man Touren in Südtirol auch planen kann.
Zwei Dinge sollte man dennoch im Hinterkopf behalten. Erstens: Fahrpläne ändern sich. Taktungen werden angepasst und Linien variieren je nach Saison. Das ist keine Schwäche des Buches, sondern einfach die Natur öffentlicher Verkehrsmittel. Wer konkret plant, sollte die Verbindungen vorab auf suedtirolmobil.info oder der Website der STA überprüfen. Das Buch gibt die Richtung vor, die Websites liefern die aktuellen Takte. Die verlinkten QR-Codes helfen dabei.
Zweitens verspricht der Untertitel „entspannte Wanderungen”. Das stimmt für viele der abgebildeten Touren auch. Wer jedoch glaubt, „Südtirol mit Öffis” und „gemütlich” seien gleichbedeutend, wird bei einigen Routen eine Überraschung erleben. Einige Touren können von Mittelgebirgswanderern durchaus als herausfordernd empfunden werden. Die Angaben in den Steckbriefen sind sehr ehrlich. Wer sie liest, sollte seine eigene Kondition kennen und ist dann dementsprechend gut vorbereitet.

Für wen sind die „Öffi-Touren in Südtirol“ geeignet?
Für Leute wie mich, die Südtirol zwar kennen, aber bisher immer mit dem Auto dort waren. Aber auch für diejenigen, die aus Überzeugung oder aus pragmatischen Gründen aufs Auto verzichten wollen. Stichwort: Nachhaltigkeit. Oder Klimaschutz. Aber auch: voller Parkplatz, Mautgebühren, entspannte Anreise.
Das Buch ist auch etwas für Gruppen, die sich nicht in langwierigen Diskussionen darüber verlieren wollen, wer das Auto fährt. Für Familien. Und für alle, die in Bozen wohnen und ihr eigenes Hinterland endlich einmal systematisch zu Fuß erkunden möchten.
Mein Fazit:
Neulich bin ich wieder auf einem dieser völlig überfüllten Wanderparkplätze in der Sächsischen Schweiz vorbeigelaufen und habe mich erneut gefragt, ob das eigentlich sein muss. Das Buch* gibt darauf zwar keine direkte Antwort. Aber es zeigt, dass es auch anders geht. Konkret, detailliert, praktisch. Sogar in Südtirol. Manchmal ist das die ehrlichste Empfehlung, die ein Wanderführer bekommen kann: Das Buch hat mich nicht nur beeindruckt. Es hat mich ins Umdenken gebracht.
»Öffi-Touren in Südtirol – 40 entspannte Wanderungen ohne Auto«
von Rosmarie Rabanser Gafriller, erschienen im Athesia Tappeiner Verlag
192 Seiten | € 18,00 [D] | ISBN 979-12-80864-29-1
Hier gibt es das Buch zu kaufen:
ANZEIGE — DISCLAIMER/INFORMATIONEN: Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Es gab keine Vereinbarung mit dem Verlag, und die Veröffentlichung ist an keine Bedingung geknüpft. Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Verweise sind Affiliate-Links. Du zahlst nichts extra, ich bekomme eine kleine Provision.



