Geschichte & Geschichten am Rhein – Marksburg und Burg Sterrenberg

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AnzeigeEs gibt unzählige Burgen entlang des Rheins. Zwei interessante habe ich besucht und stelle ich hier kurz vor – Burg Sterrenberg bei Kamp-Bornhofen und die Marksburg bei Braubach.

An dieser Stelle muss ich mal einen kleinen Exkurs wagen. Zwischen Bingen im Süden und Remagen im Norden gibt es entlang des Rheins mehr als 60 Burgen und Schlösser. Das ist Rekordwert. Weltweit dürfte die Dichte an Bauten dieser Art nirgendwo so groß sein, wie am Mittelrhein. In den unterschiedlichsten Epochen gebaut, beeindrucken sie auch heute noch mit individueller Geschichte, fantastischen Ausblicken und beeindruckender Bauweise. Zwei davon – die Marksburg und die Burg Sterrenberg – möchte ich hier kurz vorstellen.

Geschichtliches bei Braubach

Da ich nach dem meditativen Weg noch etwas Lust auf Geschichte habe, fahre ich weiter und besuche die Marksburg. Nicht nur, dass die recht imposant oberhalb von Braubach auf einem Bergrücken thront, sie ist auch nur 40 Minuten mit der Bahn von Bad Breisig entfernt. Bereits aus der Ferne beeindruckt sie mit ihrem gelbem, rittertümlichen Charme und trotzt somit farblich den dunkelgrauen Wolken, die scheinbar noch immer unentschieden sind, ob sie regnen wollen oder nicht. Selbst wenn: die Marksburg scheint nicht nur von Außen ein Hit zu sein.

Allein schon die Wanderung hinauf auf den Burgberg hat es in sich. Die ist zwar kurz, dafür aber steil. Naja, waren ja auch noch nicht genug Kilometer heute. Da gib dem Affen ruhig noch etwas Zucker. Die jahreszeitlich bedingte Färbung der Laubbäume lenkt zudem genug vom Anstieg ab, so dass ich am Ende erstaunt bin, wie schnell die Wehranlage erreicht ist. Knapp 90 Meter über Braubach gelegen ist die Aussicht einfach nur grandios. Bereits erwähnte Wolken ziehen träge über das Rheintal hinweg und lassen mich auch mental tiefer in die Geschichte des Ortes eintauchen.

Steil und kurz windet sich der Weg hinauf zur Marksburg
Steil und kurz windet sich der Weg hinauf zur Marksburg

Auf die Marksburg

Als einzige niemals zerstörte Höhenburg am Rhein, zieht sie mich immer tiefer in ihren Bann. Erinnerungen kommen hoch. Als kleiner Bub lag ich meinem Vater oft mit dem Wunsch in den Ohren, er möge mir doch bitte, bitte eine Ritterburg zum Spielen schenken. So eine en miniature mit Erkern, Zinnen und einer richtigen Zugbrücke. Eine, die ich wiederum aus seinen Kindheitserinnerungen herausgehört habe. Kleiner Spoiler: es gab keine. Dafür ist meine Sehnsucht nie erloschen und siehe da – jetzt steh ich mal wieder auf einer echten. Die Marksburg ist bestimmt nicht nur für mich der Inbegriff einer klassischen Ritterburg.

Und das hat seinen Grund. Gebaut zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert wurde sie danach kaum verändert und weiß somit heute noch sehr eindrucksvoll von mittelalterlichem Leben auf solch einer Festungsanlage zu berichten. Egal ob die Folterkammer – na klar im Keller, wo folterte man auch sonst – oder die Gemächer rund um den Bergfried: ich laufe durch lebendige Geschichte. Auch die Burgküche und die Sammlung alter Rüstungen, die Kemenate des Burgfräuleins und der Gotische Rittersaal kann ich ausgiebig bewundern und bestaunen. Ein Kindheitstraum geht hier in Erfüllung. Zwar möchte ich nicht auf einer solchen Burg gelebt haben, aber trotzdem: einmal einpacken zum Mitnehmen bitte. Ein Sehnsuchtsort nach wie vor. Warum eigentlich?

Sagenhafte Burg Sterrenberg

Auf der zweiten Burg die ich besuche, höre ich eine traurige Geschichte. Diese steht in direkter Verbindung zur gegenüberliegenden Burg Liebenstein und erzählt von Habgier und einem bitteren Ende. Auf Burg Sterrenberg nämlich lebten einst drei Geschwister. Beim Aufteilen des gemeinsamen Erbes betrogen die beiden Brüder ihre blinde Schwester hinterlistig um einen Großteil ihres Erbes. Während sie damit ein Kloster errichtete, verfeindeten sich die beiden Brüder über ihren Anteil. Bei einem letzten Versuch, ihre Brüderlichkeit zu retten, töte der eine den anderen. Oder umgekehrt. Je nach Auslegung. Jedoch aus Versehen – tragisch.

Historisch übrig geblieben sind die beiden Burgen und eine Sage, die bei leckerem Wein und gutem Essen zum Nachdenken anregt. Ein Leben voller Reichtum, dafür aber verbracht in Neid und Hass. Wofür also das Ganze? Ich finde keine Antwort.

Muss ich aber auch nicht. Auf Burg Sterrenberg gibt es nämlich ein großes Restaurant, dessen Vorrat an Weinen mit den besten der Region gefüllt ist. Das Restaurant in der Grafenstube muss hier ausdrücklich erwähnt werden. So gut, wie hier, habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Inmitten des mittelalterlichen Gemäuers, direkt unterhalb des Burgfrieds gelegen, ist das mehr als nur eine kulinarische Empfehlung. Es ist ein Hochgenuss. Gepaart mit den ausgezeichneten Rieslingen vom Weingut Didinger klingt mein erster Tag am Rhein entsprechend locker und unterhaltsam aus.

Von der Terrasse der Burg Sterrenberg kann man bei einem guten Wein an schönen Sommerabenden dem Sonnenuntergang mit allen Sinnen genießen.
Von der Terrasse der Burg Sterrenberg kann man bei einem guten Wein an schönen Sommerabenden dem Sonnenuntergang mit allen Sinnen genießen.

Achso: soviel sei noch gesagt. Die Burg Sterrenberg ist eine derer, die sich zwar in privater Bewirtschaftung befinden, aber zu Übernachtungszwecken zu ganz moderaten Preisen gebucht werden kann.

Und geheiratet kann auf ihr auch werden. Na klar. Traumhochzeit würd ich sagen. Obs allerdings Glück bringt, hängt dann von den Verheirateten ab. Dass die Geschichte dieser Burg abfärben könnte, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen…

Marksburg – Infos

HINKOMMEN.
Mit der Bahn bis Bahnhof Braubach und von dort führt ein Fußweg hinauf auf die Burg.
Mit dem Auto bis zum Parkplatz am Fuße der Burg. Der ist aber kostenpflichtig und im Sommer meist voll.

UNTERKUNFT.
Empfehlenswert und ein absoluter Geheimtipp ist das Hotel Zum weißen Schwanen. Das liegt ruhig inmitten des mittelalterlichen Tals und überzeugt mit Fachwerk, Kunst und jeder Menge Freundlichkeit.

ESSEN & TRINKEN.
Im Hotel Zum weißen Schwanen kommt man auch kulinarisch auf seine Kosten. Darüber hinaus kann der Hunger auch in der Schänke auf der Marksburg selbst gestillt werden.

BESONDERER TIPP.
Der Rundgang auf der Marksburg ist nur über eine Führung möglich, die ungefähr 50 Minuten dauert. Eine rechtzeitige Reservierung verkürzt lange Wartezeiten.

Burg Sterrenberg – Infos

HINKOMMEN.
Mit der Bahn bis Bahnhof Kamp-Bornhofen, von dort sind es ca. 3 Kilometer entlang des Rheins bis hinauf zur Burg. Oder man nimmt sich ein Taxi. Geht auch.
Unterhalb der beiden Burgen gibt es einen kleinen Waldparkplatz, der aber meist schon von Wanderausflüglern besucht ist.
Auf der Burg selbst gibt es zwar auch einen Parkplatz, der ist aber Besuchern des Restaurants bzw. Übernachtungsgästen vorbehalten.

UNTERKUNFT.
Wer schon immer mal auf einer Burg übernachten wollte, hätte hier die Möglichkeit. Das Hotel Burg Sterrenberg ist ganzjährig geöffnet.

ESSEN & TRINKEN.
Wenn man schonmal auf der Burg schläft, kann man hier natürlich auch essen. Großartige Küche! Unbedingt mal ausprobieren.

BESONDERER TIPP.
Den Sonnenuntergang bei einem gekühlten Weißwein von der Terrasse der Burg Sterrenberg aus genießen und anschließend in dem mittelalterlichen Gemäuer schlafen. Da werden sicher Kindheitsträume wahr.

Obendrein: unbedingt den „Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Spätlese“ von 2019 des Weinguts Didinger probieren. Der ist nicht nur mit dem 1. Platz der Best of Riesling 2020 ausgezeichnet sondern erlangte obendrein noch 90 Punkte in der Kategorie Restsüße. Bestwert. Und verdammt lecker.
Gibts aber auch im Online-Shop.

Hinweis in eigener Sache (Disclaimer)
Meine hier beschriebenen Eindrücke durfte ich im Rahmen der 6. Bloggerwanderung sammeln. Eingeladen und veranstaltet wurde diese von den Gastlandschaften der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. Dabei sind mir Anreise, Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung gestellt worden, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Auf meine abschließende Meinung wurde kein Einfluss genommen. Diese entspricht ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

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