Zu Besuch bei den Fischern im Valle di Comacchio

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Anzeige Seit Jahrhunderten wird in der Lagune des Valle di Comacchio Fisch- insbesondere Aalfang betrieben. Ein Besuch bei einem der Fischer.

Die grauen Wolken am Himmel hängen tief. Träge und behäbig schieben sie sich quälend langsam über das flache Land und drohen mit Regen. Nach meinem gestrigen Besuch der wundervollen Stadt Ferrara reise ich nun weiter durch die Po-Ebene und befinde mich auf dem Weg zur Lagune Valle di Comacchio. Durch kleine Ortschaften und vorbei an weit auseinander liegenden Gehöften, bewege ich mich letztlich entlang eines kleinen Wasserlaufs, an dessen Ufer dichte Büsche und große Weiden stehen. 

Am Ende der staubigen Landstrasse, dort wo der schmale Kanal ins offene Wasser übergeht, wartet bereits Enrico auf mich. Das Lächeln in seinem von zuviel Sonne gegerbten Gesicht ist neugierig aber skeptisch. So richtig weiß er mit mir nichts anzufangen. Mir, dem Städter, der sich von ihm den Aalfang hier im Valle erklären lassen möchte. Dabei beschleicht mich das Gefühl, der Umgang mit Fischen scheint ihm vertrauter, als der mit Menschen. Und lieber. Gemeinsam steigen wir in das kleine Motorboot, welches am Ufer vertäut für uns bereit liegt und wagen uns bei leichtem Nieselregen hinaus in die Lagune.

Die kleine Fischerhütte direkt am Kanal ist der ideale Ausgangsort für unsere Bootstour.
Die kleine Fischerhütte direkt am Kanal ist der ideale Ausgangspunkt für unsere Bootstour.

Bootsfahrt in der Lagune Valle di Comacchio

Noch während ich versuche, auf dem Boot eine möglichst angenehme Sitzposition zu finden, beginnt Enrico der Fischer zu erzählen. Sein Wissen über das Valle und insbesondere den Aal hat er schon als kleines Kind von seinem Vater gelernt. Der war ebenfalls Fischer, genauso wie sein Vater davor. Seit wievielen Generationen seine Familie schon Fischfang in der Lagune bei Comacchio bertreibt, kann er gar nicht so genau sagen. Schon immer drehte sich in seinem Leben alles um Fisch, den Aalfang und dessen Verarbeitung.

Mit zügigem Tempo gleiten wir über das ruhige Gewässer vorbei an Deichen und Brücken, welche die Lagune durchkreuzen. Fast 8.000 Hektar groß ist der See und dabei nur reichlich einen Meter tief. Als Jungtiere gelangen die Fische im Frühling vom offenen Meer durch ein ausgeklügeltes Schleusen- und Kanalsystem ins Valle. Mit ihnen auch die Aale. Einmal angekommen finden sie nicht mehr so einfach hinaus, sind in der Lagune gefangen und können sich nun in Ruhe und Abgeschiedenheit entwicklen.

Täglich ist Enrico der Fischer mit dem Boot auf der Lagune Valle di Comacchio unterwegs
Täglich ist Enrico der Fischer mit dem Boot auf der Lagune Valle di Comacchio unterwegs

Empfindliches Biotop

In einer kleinen Bucht machen wir Halt. Enrico holt einen hölzernen Fangkorb aus dem Wasser und berichtet von der Sensibilität dieses Biotops. Denn die Lagune ist von Ebbe und Flut des Meeres abhängig. Mit ihr gelangen nicht nur die Fische sondern auch frisches Wasser hinein. Das muss jedoch rund um die Uhr beobachtet werden. Salzgehalt, Temperatur und Verdunstungsgrad sind wichtige Faktoren, welche über die Wasserqualität im Valle und damit über den Fang eines Jahres entscheiden. Ist die Verdunstung zu groß, steigt der Salzgehalt stark an, ist die Temperatur zu hoch, sterben die Fische.

Im Weidekorb hat sich ein kleiner Krebs verfangen. Zu jung noch und zu klein, aber von Wichtigkeit. Das erste, was Enrico als kleiner Junge lernte und noch bis heute verinnerlicht hat: solange sich die Krebse wohlfühlen, ist die Wasserqualität gut. Sensibel reagieren diese Tiere auf Veränderungen und sind somit wichtiger Gradmesser für den Fischfang im Valle di Comacchio. Wir überlassen das Jungtier wieder dem Wasser und fahren weiter entlang des endlos scheinenden Deichs.

Einzigartige Tierwelt: selbst Flamingos kann man im Valle di Comacchio beobachten.
Einzigartige Tierwelt: selbst Flamingos kann man im Valle di Comacchio beobachten.

Besuch der Inseln im Valle di Comacchio

In einem weiten Bogen queren wir das offene Gewässer und nehmen Kurs auf eine der kleinen Inseln, die verstreut im Valle liegen. Darauf Bäume, üppig grüne Wiesen und die Reste alter Gemäuer. Auch hier weiß Enrico Geschichten zu erzählen, die nicht allein mit dem Fischfang in Verbindung stehen sondern mit allzumenschlichem. Denn viele dieser Inseln waren früher einmal bewohnt. Noch gar nicht so lange her gab es im Valle di Comacchio eine viel größere Anzahl an Fischern wie Enrico einer ist. Einzelgänger zumeist, die ganzjährig auf diesen Inseln lebten oder Räucherkammern betrieben, in denen frisch gefangener Fisch sofort weiterverarbeitet wurde.

Darüber hinaus gab es auch die Insel eines Barbiers, zu dem die Fischer nach erfolgreichem Fang gingen, bevor sie zu ihren Frauen nach Hause fuhren. Bezahlt wurde dabei mit Fisch, bevorzugt mit Aal. Und nicht zu vergessen: die Isola Bella Donna. Auf ihr lebten leicht bekleidete Frauen, deren Aal-Fässer – so wird erzählt – immer reich gefüllt waren.  

Heute gibt es diese Inseln nur noch als Erinnerung. Geblieben jedoch sind die alten Männer. Braungebrannt von der Arbeit ohne jeglichen Schatten, traditionell und doch modern, vor allem aber besorgt. Denn die Überfischung der Meere ist auch im Valle di Comacchio zu spüren. Immer weniger Tiere werden in die Lagune gespült, immer weniger Aal wird am Ende gefangen. Ob Enrico sich Sorgen um seine Zukunft macht, frage ich ihn. Er zuckt mit den Schultern, was wohl irgendwie ja heißt. Er sei mit den Fischen groß geworden und werde wohl auch mit ihnen sterben. Ein ganzes Leben, gewidmet dem Fischfang, traditionell verbunden mit dem Aal. Er kenne ja nichts anderes. Und kann sich auch nichts anderes vorstellen. Enrico, ein Fischer im Valle di Comacchio.

Infos & Tipps

Das Valle di Comacchio ist Teil des Biosphärenreservats Parco Delta del Po, welches sich von der nördlichen Mündung des Po bei Goro bis hinunter nach Cervia zieht. Wer mehr über dieses wunderschöne und interessante Gebiet rund um das Po-Delta erfahren möchte, wird beim Tourismusverband des Po-Deltas fündig: podeltatourism.it

DIE LAGUNE ERKUNDEN.
Für Neugierige gibt es viele Wege, das Valle di Comacchio zu erkunden. Wander- und Fahrradwege unterschiedlichster Länge führen genauso durch und um das Gebiet wie geführte Bootstouren. Letztere starten an Knotenpunkten und führen entweder durch die große Lagunenlandschaft oder auch hinaus aufs offene Meer. Dabei kann man Flamingos beobachten, den Fischern bei ihrer Arbeit zusehen oder auch sich einfach nur die frische Meeresbrise um die Nase wehen lassen. Gesammelte Infos gibt es ebenfalls bei: podeltatourism.it

ÜBERNACHTEN.
Direkt am Valle di Comacchio liegt das Oasi Cannevie, ein kleines, familiengeführtes Hotel mit angeschlossenem Restaurant. Einfach der perfekte Ausgangsort, um die Lagune zu erkunden.

Ebenfalls empfehlenswert ist das Club Village & Hotel Spiaggia Romea. Inmitten einer weitläufigen Parkanlage liegt das Resort an einem eigenen See und verfügt zudem über einen Privatstrand am Mittelmeer. Darüber hinaus liegt es strategisch günstig in der Mitte des Naturschutzparks und ermöglicht so jede Menge Ausflüge und Erkundungen.

BESONDERER TIPP.
Nicht weit entfernt liegen die bei Touristen sehr beliebten Küstenorte der italienischen Adria. Im Hochsommer ziehen sich vor allem die Italiener aus dem Hinterland gern an diese Küstenorte zurück. Im Örtchen Lido die Spina gibt es direkt am Strand das Dolce Vita Beach Bar & Restaurant, in welchem ich die besten Muscheln meines Lebens gegessen habe.

Flaches Land soweit das Auge reicht
Flaches Land soweit das Auge reicht

Hinweis in eigener Sache (Disclaimer)
Meine hier beschriebenen Eindrücke durfte ich im Rahmen einer Pressereise sammeln, eingeladen und veranstaltet von Maggioni Tourist Marketing. Dabei sind mir Anreise, Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung gestellt worden, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Auf meine abschließende Meinung oder redaktionelle Freiheit wurde keinerlei Einfluss genommen. Diese entspricht ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

Informationen

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

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