Lässt das Herz höher schlagen: Wanderung auf den Mittagberg im Allgäu mit dem ÖPNV

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Anzeige Die Himmelsstürmer-Route der Allgäuer Wandertrilogie führt auch über den Mittagberg. Der ist mit seinen 1.451 Metern zwar kein alpines Schwergewicht, aber der Aufstieg von Sonthofen aus hat es ganz schön in sich. Ein Wanderbericht.
Sven Becker
  Inhalt

Es ist Spätsommer und schon am frühen Morgen sehr warm. Selbst für Mitte September sind noch Temperaturen um die 30 Grad angesagt. Das ist einerseits super, denn das bedeutet gleichzeitig bestes Wanderwetter. Andererseits ist es aber auch irgendwie doof, denn heute geht es richtig steil bergauf. Dabei ist die Strecke mit knapp 9 Kilometern Länge und dem 1.451 Meter hohen Mittagberg gar kein alpines Schwergewicht. Trotzdem fühlt es sich unterwegs so an. Denn auf zwei Kilometern sind gut 500 Höhenmeter zu überwinden. Und das, ja das lässt das Herz definitiv höher schlagen.

Aber eins nach dem anderen.

Der Grünten, auch „Wächter des Allgäu“ genannt, von Sonthofen aus gesehen.
Der Grünten, auch „Wächter des Allgäu“ genannt, von Sonthofen aus gesehen.

Ausgangspunkt der Wanderung auf den Mittagberg in Sonthofen

Los geht’s am Bahnhof in Sonthofen. Den erreiche ich knapp 10 Minuten später, als ich in Immenstadt mit der Regionalbahn losgefahren bin. Das Schöne am Allgäu ist ja, dass auch die entlegensten Winkel sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind.

In Sonthofen führt der Weg erst einmal weiträumig um den Bahnhof herum und wenig später auf einem geteilten Rad- und Wanderweg immer an der Iller entlang. Das ist wenig anstrengend und nebenbei wunderschön. Smaragdgrün rauscht das Wasser vor sich hin, während sich in der Ferne der Grünten in seiner ganzen Erhabenheit durch den Dunst dieses Spätsommertages schiebt.

Nach knapp zwei Kilometern überquere ich den Fluss und wandere ein kurzes Stück bergauf in Richtung Halden. Der kleine Weiler liegt verschlafen in der noch tief stehenden Sonne.

Entlang der Iller startet die Wanderung auf den Mittagberg recht gemütlich.
Entlang der Iller startet die Wanderung auf den Mittagberg recht gemütlich.
Blick von Halden auf die Allgäuer Hochalpen
Blick unterhalb von Halden auf die Allgäuer Hochalpen

Durch das Haldertobel und die Schlucht der Gunzesrieder Ache

Von Halden führt der Weg quer durch den Ort, um kurz darauf in Richtung Gunzesrieder Ache abzubiegen. Ab hier bekommt die Etappe den Charakter einer Klammwanderung. Mal schlängelt sich der Weg direkt am kühlen Nass entlang, dann wieder oberhalb des Bachs. Dabei führt er mal über weichen Waldboden, mal auf Holzbohlen. Das kristallklare, herrlich blaue Wasser rauscht sanft und behutsam über Felsen und durch enge Kehren. Richtig schön ist es hier. Dieser Teil des Weges kann sich durchaus mit anderen Wanderungen in einer Klamm messen. Vor allem auch deshalb, weil die Kühle des Wassers eine willkommene Abwechslung zu der Hitze des Tages ist. 

Wenig später liegt ein See smaragdgrün in der Sonne. Von einer kleinen Mauer gestaut, wirkt er geradezu idyllisch schön. Das Wasser ist kalt und klar, unzählige Fischschwärme sind zu sehen. Zusammen mit der Badestelle am Westufer ein echtes Sommer-Bade-Highlight!

Der Weg auf den Mittagberg durch den Haldertobel der Gunzesrieder Ache ist abwechslungsreich
Der Weg auf den Mittagberg durch den Haldertobel der Gunzesrieder Ache ist abwechslungsreich

Das Herz schlägt schneller, der Puls steigt – atemberaubender Aufstieg zum Mittagsberg

Gleich nach dem Stausee verlasse ich den Wildbach mit seinen Gumpen und Felsen und folge dem Wegweiser zum Mittagberg. Dabei komme ich an einer kleinen Holzhütte vorbei, die sich für eine Rast geradezu anbietet. Sie heißt „Hotel Poldi“ und wurde extra als Brotzeit-Stüble gebaut. Mega.

Der eigentliche Spaß dieser Wanderung beginnt aber erst kurz dahinter. Kurz vor der Bildkapelle zweigt nämlich der Wanderweg auf den Mittagberg direkt in den Wald ab. Ab hier geht es richtig steil bergauf. Wie eingangs erwähnt, werden auf den nächsten zwei Kilometern fast 500 Höhenmeter überwunden. Was für geübte Bergwanderer wahrscheinlich ein Klacks ist, treibt meinen Puls ordentlich in die Höhe.

Wandern im Allgäu

Du willst mehr über das Allgäu als Wanderregion erfahren und suchst Touren, die man im Allgäu unternehmen kann?

Doch allmählich finde ich meinen Rhythmus. Im Gleichklang der Schritte steige ich Meter für Meter aufwärts, und nach einer Weile pendelt sich mein Puls bei gut 140 Schlägen pro Minute ein. Fast stoisch kämpfe ich mit mir und sehne mich eigentlich nach einer Pause. Doch aus meiner bisherigen Wandererfahrung weiß ich, dass Pausen zwar kurzfristig Abhilfe schaffen, aber langfristig den Aufstieg noch schwieriger machen. Also mache ich das, was mir am Wandern ohnehin am meisten Spaß macht und verfalle beim Gehen in eine Art Meditation. Denn mir ständig vorzuwerfen, dass das jetzt einfach nur anstrengend ist, macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil.

Dabei hat der Abschnitt auch richtig schöne Seiten. Ab und zu blinzelt die Sonne zwischen den Bäumen hervor und verwandelt den dunklen Wald in eine fast märchenhafte Landschaft. Vereinzelt ragen riesige Felsbrocken aus dem Boden und immer wieder öffnet sich eine Lücke im Wald, die einen traumhaften Blick in die Ferne freigibt. Einfach nur schön ist das und genieße ich diese Anstrengung gerade sehr.

Wunderschöne Ausblicke auf die Allgäuer Alpen machen die Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen.
Wunderschöne Ausblicke auf die Allgäuer Alpen machen die Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen.

Auf dem Weg zum Gipfel

Plötzlich verlasse ich den Wald und trete auf eine Wiese. Das Herz schlägt zwar noch immer im Rhythmus meiner Schritte, das Schwierigste liegt aber jetzt hinter mir. Obwohl der Weg bis hierher knapp eineinhalb Stunden gedauert hat, kommt er mir im Nachhinein dann doch gar nicht so lang vor. Im stetigen Aufstieg ist er recht abwechslungsreich und nur ganz nebenbei anstrengend. Eigentlich genau so, wie ich eine Bergwanderung mag.

Denn jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel des Mittagbergs. In einer langen Schleife schlängelt sich der mittlerweile wieder asphaltierte Weg den Hang hinauf und wenig später stehe ich vor dem Gipfelkreuz.

Spätestens hier ist es aber mit der Ruhe vorbei. Da der Mittagberg auch mit einer Seilbahn erschlossen ist, ist er dementsprechend gut besucht. Am liebsten wäre ich wieder in den Wald zurückgekehrt. Wenigstens war ich dort mit mir und meinen Gedanken allein.

Nach einer stärkenden Rast im Gasthaus oberhalb der Bergstation gönne ich mir den Luxus, mit der eben erwähnten Seilbahn hinunterzufahren. Es ist nämlich ein Sessellift (und keine Kabinenbahn) und genieße ich es sehr, mich mit einer angenehmen Brise um die Nase wieder ins Tal schaukeln zu lassen. Das habe ich mir nach der anstrengenden und schönen Wanderung einfach verdient.


WEITERE INFOS…
… gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands der Allgäu GmbH. Dort gibt es nicht nur eine Übersicht aller Routen der Wandertrilogie Allgäu sondern obendrein noch viele weitere Infos und Tipps zur Region.

Tipps & Infos

HINKOMMEN.
Abwechselnd aller 30 Minuten fahren die Regionalbahnen R17, R75 und R76 der Deutschen Bahn in knapp 10 Minuten von Immenstadt, Bahnhof bis nach Sonthofen, Bahnhof.
Stündlich verkehrt zudem in der Woche die Buslinie 11 und braucht für die gleiche Strecke ca. 25 Minuten.

ZURÜCKKOMMEN.
Wer keine Lust auf den Abstieg nach Immenstadt hat, sollte unbedingt mit der zweigeteilten Mittagberg-Bahn fahren. Man muss zwar zwischendurch umsteigen, dafür sind die nicht überdachten Sessellifte ein krönender Abschluss dieser Wanderung und hat man sich das ja auch redlich verdient.

AUSRÜSTUNG.
 Für diese Wanderung benötigt es eigentlich keine besondere Ausrüstung. Festes Schuhwerk wäre aber anzuraten. Sowohl in der Klamm der Gunzesrieder Ach als auch beim wirklich steilen Aufstieg zum Mittagberg (Mittag, 1.451m).
 Im Sommer empfehle ich zusätzlich einen ausreichenden Sonnenschutz. Nach dem ansteigenden Waldstück ist man gerade am freien und etwas zugigen Gipfel recht starker Strahlung ausgesetzt.
 TIPP: Badesachen einpacken! Gerade im Sommer locken unzählige Stellen an der Gunzesrieder Ache bzw. im Haldertobel zum Baden ein. Am Westufer des Stausees gibt es sogar eine richtige Pausenstelle, an der man einfach ins Wasser gelangt.

ESSEN & TRINKEN.
Wer diese Route auf den Mittagberg gewandert ist, der hat sich die Gipfelsause im Restaurant oberhalb der Bergstation der Bergbahn redlich verdient. Wer es etwas gemütlicher haben möchte, kann in der etwas abseits der Bergbahn gelegenen Alpe Oberberg einkehren.

UNTERKUNFT.
In Immenstadt habe ich mehrere Tage im nigelnagelneuen Hotel Bollwerk verbracht. Obwohl nur 100 Meter vom Bahnhof entfernt ist diese ehemalige Bank ein echtes Highlight. Die Zimmer sind groß, modern und total gemütlich. Und vor allem digital! Es gibt keine Rezeption, alles funktioniert über eine App. Da lässt sich das Zimmer mit dem eigenen Handy öffnen oder alternativ am Eingang eine Karte codieren. Megacool und meine dringende Empfehlung!

Wanderkarte

BESONDERER TIPP.
Der Weg auf den Mittagberg ist Teil der Himmelsstürmer Route der Wandertrilogie Allgäu. Genau genommen ist die beschriebene Wanderung Teil der Etappe 9c von Burgberg nach Immenstadt. Der original GPS-Track kann man sich hier herunterladen. Den kompletten Überblick über die Routen der Wandertrilogie gibt es im Kompass Wanderführer* „Wandertrilogie Allgäu, 84 Touren“.

Hinweis in eigener Sache (Disclaimer)
Meine hier beschriebenen Eindrücke durfte ich auf Einladung der Allgäu GmbH sammeln. Dabei sind mir Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung gestellt worden, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Auf meine abschließende Meinung wurde kein Einfluss genommen. Diese entspricht ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

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