Zur Bastei und durch die Schwedenlöcher – Wandern in der Sächsischen Schweiz | #cdf250

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Wer im Hochsommer wandern möchte, benötigt einen kühlen und schattigen Weg. So wie bei der Tour durch Teufelsgrund und Schwedenlöcher in der Sächsischen Schweiz.
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Diesmal bringt mich nicht das Auto, sondern der Zug an den Ausgangspunkt meiner Wanderung durch die Sächsische Schweiz. Dank der verkehrsgünstigen Lage erreiche ich entspannt und ausgeruht die Stadt Wehlen. Dieser Umstand ist nicht ganz unwichtig, da heute knapp 34 Grad Höchsttemperatur vorausgesagt sind. Und wieder einmal bin ich mitten im Sommer in meinem absoluten Lieblingsgebirge auf Tour. Meine Mutter und mein Bruder begleiten mich als eingeschworenes Team auf Abwegen durch die Täler des Elbsandsteingebirges und die Schwedenlöcher. Hoffentlich ist es dort kühler, denn die Sonne brennt bereits um 10 Uhr morgens von einem wolkenlosen Himmel.

Startpunkt der Wanderung durch die Schwedenlöcher ist die Stadt Wehlen, welche idyllisch direkt am Ufer der Elbe liegt.
Startpunkt der Wanderung durch die Schwedenlöcher ist die Stadt Wehlen, welche idyllisch direkt am Ufer der Elbe liegt.

Zu den Schwedenlöchern durch den Uttewalder Grund

Wehlen ist ein kleiner touristischer Ort, der jedoch immer wieder durch Schlagzeilen auffällt, wenn die Elbe Hochwasser hat und Teile des Ortes überschwemmt werden. Leider müssen Kirche und Marktplatz jedes Mal aufwändig und teuer saniert werden. Dies ist ein trauriger Umstand, der durch den Klimawandel besonders deutlich wird. An fast jeder Straßenecke kann man den Wasserstand ablesen und somit nachvollziehen, dass Hochwasser in den letzten Jahrzehnten häufiger und heftiger geworden sind. Doch Wehlen trotzt den Widrigkeiten – es ist ein Wunder, dass die Menschen noch nicht den Mut verloren haben. So manches Geschäft steht leer und wartet auf einen neuen, mutigen Pächter.

Vorbei am Marktplatz und den südländischen Cafés machen wir uns auf den Weg in Richtung Uttewalder Grund. Bereits auf den ersten schattigen Metern ist es bedeutend kühler und angenehmer. Die Sonne dringt hier nicht bis zum Boden durch. Die Farne abseits der Wege hängen etwas, sehnen sich aber kraftvoll dem nächsten Regen entgegen.

Mit der Fähre vom Bahnhof aus gut zu erreichen, lädt die Stadt Wehlen zum Bummeln und Faulenzen ein.
Mit der Fähre vom Bahnhof aus gut zu erreichen, lädt die Stadt Wehlen zum Bummeln und Faulenzen ein.
Im Teufelsgrund findet der Wanderer jede Menge Steinritzungen aus knapp 200 Jahren.
Im Teufelsgrund findet der Wanderer jede Menge Steinritzungen aus knapp 200 Jahren.

Erst die Bastei, dann die Schwedenlöcher

Etwa auf halber Strecke führt ein schmaler, versteckter Abzweig auf der linken Seite in den Teufelsgrund. Wie in den später zu durchquerenden Schwedenlöchern finden wir hier feuchte Luft und kräftiges Grün aufgrund von Sicker- und Quellwasser. Der Eingang zur Heringshöhle, der versteckt und nur für Kletterfreudige zugänglich ist, wird unser erster Rastplatz sein.

Auf unserem Weg zurück in den Uttewalder Grund und von dort aus in Richtung Lohmen kommen wir bald am namensgebenden und wirklich idyllisch gelegenen „Waldidylle“ vorbei. Das Gasthaus bietet schmackhafte Speisen und ist von schattenspendenden Bäumen umgeben, was zum Verweilen einlädt. Es ist schade, dass wir uns gerade gestärkt haben. Denn wir wollen weiter. Am Ende des Weges wartet das berühmte Felsentor, das schon den Maler Caspar David Friedrich inspirierte.

Wir gehen ein Stück zurück in Richtung Steinerner Tisch und wandern damit hinauf auf die Bastei. Obwohl der Himmel strahlend blau ist und es nur wenige Besucher auf der Brücke und den Felsen dieses touristischen Highlights gibt, verweilen wir nur kurz. Es ist mittlerweile Mittag und damit sehr heiß. Wir sehnen uns bereits nach einer kurzen Rast und begeben uns direkt von der Bastei in das nächste Tal, hinab durch die Schwedenlöcher.

Caspar_David_Friedrich_-_Das_Neurathener_Felsentor

„Neurathener Felsentor“ (um 1826-28)

Den Maler Caspar David Friedrich zog es immer wieder in die Sächsische Schweiz. Mal auf der Flucht vor den napoleonischen Besatzern, mal auf der Suche nach der Ruhe und Abgeschiedenheit dieses unzugänglichen Gebirges. Der Felsdurchgang, der auf diesem Bild zu sehen ist, existiert noch heute, auch wenn sich das Umfeld stark verändert hat. Die damals noch wackelige Holzbrücke, die vermutlich schon seit der Besiedlung die ehemalige Burg Neurathen mit der Bastei verband, wurde um 1851 durch eine solide Sandsteinbrücke ersetzt und gilt heute als touristischer Anziehungspunkt.

Entgegen seiner bis dahin üblichen Arbeitsweise ist dieses Bild nicht in Öl auf Leinwand gemalt, sondern mit Wasserfarben und Pinsel auf Papier entstanden. Die Vermutung liegt nahe, dass er dieses Bild nicht in seinem Atelier, sondern irgendwo unterwegs gezeichnet haben könnte.

[1] Caspar David Friedrich, vermutlich zwischen 1826 und 1828, Das Neurathener Felsentor, Wasserfarben auf Papier, 24,5 x 27,9 cm / Public domain, via Wikimedia Commonsals gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

Die Felsen der Bastei sind zu jeder Jahreszeit ein wundervoller Anblick. Genau wie der Lilienstein dahinter.
Die Felsen der Bastei sind zu jeder Jahreszeit ein wundervoller Anblick. Genau wie der Lilienstein dahinter.
Im Uttewalder Grund stillt das Forsthaus Waldidylle mit bürgerlicher Kost nicht nur den Hunger.
Im Uttewalder Grund stillt das Forsthaus Waldidylle mit bürgerlicher Kost nicht nur den Hunger.
Ein kleiner Abstecher auf die Bastei muss auch bei hohen Temperaturen sein. So lässt sich erst die Kühle des Tals wirklich schätzen lernen.
Ein kleiner Abstecher auf die Bastei muss auch bei hohen Temperaturen sein. So lässt sich erst die Kühle des Tals wirklich schätzen lernen.

Durch die Schwedenlöcher

Abwärts gehen sich die knapp 900 Stufen bedeutend einfacher als hinauf. Dennoch spüren wir die Anstrengung in den Knien und Gelenken. Wer Treppen nicht gerne steigt, für den ist die Sächsische Schweiz irgendwie nichts. Einziger Trost: Bei jedem Schritt wird es merklich kühler.

Nach dem Durchqueren der Schwedenlöcher kommen wir im Amselgrund an, welcher ebenso zwischen eng stehenden Felsen liegt und zudem über einen vor sich hin plätschernden Namensgeber verfügt. Die Temperaturen haben sich wieder auf ein erträgliches Maß eingependelt. Während es auf der Bastei noch Temperaturen um die 30 Grad gab, sind es im Tal knapp 22 Grad und damit fast schon frisch.

Durch tiefe Wälder und dicht stehende Felsen wird ausreichend Schatten gespendet.
Durch tiefe Wälder und dicht stehende Felsen wird ausreichend Schatten gespendet – durch die Schwedenlöcher
Wem knapp 9 Grad nicht zu kalt sind, kann bei jeder Jahreszeit im Amselsee baden gehen. Auch im Winter.
Wem knapp 9 Grad nicht zu kalt sind, kann bei jeder Jahreszeit im Amselsee baden gehen. Auch im Winter.

Entlang des Amselgrunds

Der Weg ist breit und lässt sich nach den vielen Stufen ganz entspannt gehen. Vorbei am Amselfall, welcher seit einem Felssturz nur noch träge vor sich hin plätschert, und dem Amselsee, auf dem man nach Belieben im Schatten und Sonne schippern kann, gelangen wir schließlich in den Kurort Rathen. Die Wärme drückt von der Elbe in diesen wunderschönen Ort, doch da es bereits früher Nachmittag ist und eine leichte Brise eingesetzt hat, trocknet die schweißdurchtränkte Kleidung recht schnell. Beim anschließenden Kaffee im Hotel Elbiente lässt sich wunderbar vorbeiziehende Dampfschiffe und mutig Badende beobachten. Sollte hier eigentlich Schluss sein, verlangt es uns aber noch nach einigen Kilometern. Und so beschließen wir, den Rückweg nach Wehlen zu Fuß anzutreten.

Entlang des Elberadwegs, der von der tschechischen Grenze bis nach Hamburg fast immer entlang des Flusses verläuft, wandern wir aus Rathen hinaus. Kurz hinter dem Ort führt ein kleiner Trampelpfad, der in Gebüschen versteckt ist, erneut hinauf in Richtung der Felsen. Dieser Weg sollte, sofern gefunden, unbedingt ausprobiert werden, da er auf aktuellem Kartenmaterial kaum noch verzeichnet ist. Lediglich auf den liebevoll und sehr detailliert gezeichneten Wanderkarten von Rolf Böhm ist dieser Weg als Trampelpfad aufgeführt und verläuft immer entlang der ehemaligen Sandsteinbrüche.

Entlang der Elbe – oder etwas oberhalb des Steinbruchwegs – findet man genug Möglichkeiten, sich abzukühlen. Seit einigen Jahren lädt sie wieder zum vergnüglichen Bade.
Entlang der Elbe – oder etwas oberhalb des Steinbruchwegs – findet man genug Möglichkeiten, sich abzukühlen. Seit einigen Jahren lädt sie wieder zum vergnüglichen Bade.
Vom Trampelpfad unterhalb der Sandsteinbrüche genießt man immer wieder traumhafte Blicke auf die Elbe.
Vom Trampelpfad unterhalb der Sandsteinbrüche genießt man immer wieder traumhafte Blicke auf die Elbe.
Sauber und ökologisch wertvoll: in der Elbe kann man seit einigen Jahren wieder bedenkenlos baden.
Sauber und ökologisch wertvoll: in der Elbe kann man seit einigen Jahren wieder bedenkenlos baden.

Auf dem Sandsteinpfad

Auch hier lässt es sich ganz gut aushalten, da die dichten Bäume genügend Schatten spenden. Wer sich wie wir durch das Unterholz kämpft, wird mit allerlei Eindrücken überrascht. Nicht nur die spärlich gesäten Ausblicke sind von ganz besonderer Schönheit, sondern auch die ehemaligen Behausungen der Steinmetze, die sich hier bis kurz nach Kriegsende am sächsischen Sandstein bedienten, sind von sehenswerter Einzigartigkeit. Heute werden sie von Vereinen und Kletterern als Basis genutzt, was vom Radweg aus gerade im Sommer nicht zu erkennen ist.

Die Geschichte der Sandsteinbrüche reicht weit zurück, bis ins 7. Jahrhundert. Schon slawische Siedler bauten den Sandstein in Elbhanglage ab, um ihre Behausungen aus dem Naturstein zu errichten. Doch Berühmtheit über die Grenzen hinaus erreichte der Elbsandstein erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Großartige Bauwerke wie der Meißner Dom, der Zwinger, die Semperoper oder auch die Frauenkirche in Dresden entstanden komplett aus dem gelbweißen Stein und verwandelten das kleine, unbedeutende Dresden fortan in das bis heute bekannte Elbflorenz.

Haben sich die Hütten entlang des Sandsteinpfads auch bis heute etwas verändert, wirkt ihre geschichtsträchtige Aura jedoch noch immer. Einige Prachtbauten wurden zu Villen erweitert und liegen nun brach, während andere Häuser noch heute im typischen Stil alpiner Bauten errichtet und von verschiedenen Vereinen bewirtschaftet werden. Gerade eine kleine Gruppe Wanderer des Leipziger Wanderverbands bezieht ihr Domizil, um die nächste Woche gemeinsam mit Kind und Kegel kletternd im Elbsandsteingebirge zu verbringen.

… andere hingegen werden auch heute noch von Wandervereinen oder Privatpersonen bewirtschaftet.
… andere hingegen werden auch heute noch von Wandervereinen oder Privatpersonen bewirtschaftet.
Der zum Teil unbekannte Trampelpfad führt schnurstracks entlang der ehemaligen Sandsteinbrüche.
Der zum Teil unbekannte Trampelpfad führt schnurstracks entlang der ehemaligen Sandsteinbrüche.
Die ehemaligen Behausungen der Metzger stehen zum großen Teil auch heute noch. Einige von ihnen sind jedoch dem Verfall preisgegeben …
Die ehemaligen Behausungen der Metzger stehen zum großen Teil auch heute noch. Einige von ihnen sind jedoch dem Verfall preisgegeben …

Zurück auf Anfang

Am Ende des Weges kommen wir wieder im Kurort Rathen an. Eigentlich könnten wir hier dem Sandsteinpfad noch weiter bis nach Pirna folgen, doch stecken uns die knapp 16 Kilometer mittlerweile in den Beinen. Besonders die Stufen der Schwedenlöcher spüren wir besonders deutlich, sodass wir den Wandertag bei einem kräftigenden Mal im Hotel Café Richter direkt mit Blick über die Elbe ausklingen lassen.

Wer also der Meinung ist, im Hochsommer wäre das Wandern in der Sächsischen Schweiz zu anstrengend, dem sei hiermit dringend geraten, es doch wenigstens mal zu probieren. Wenn man weiß, welche Wege Abkühlung bieten, steht dem Wandervergnügen auch bei über 30 Grad nichts mehr im Wege. ◆

Die Elbe schimmert dunkelblau bei Temperaturen jenseits der 30 Grad. Hochsommerliches Wandern im Elbsandsteingebirge

Tipps & Infos

HINKOMMEN.
Mit der S-Bahn S1 bis zum Bahnhof Stadt Wehlen und mit der Fähre über die Elbe setzen. Der Fährpreis ist im Ticket der S-Bahn inkludiert.
Mit dem Auto bis zum Parkplatz am Ufer der Elbe. Der ist aber kostenpflichtig, vor allem teurer als die Anreise mit dem ÖPNV.

ZURÜCKKOMMEN.
Mit der Fähre wieder über die Elbe setzen und mit der S-Bahn S1 vom Bahnhof Stadt Wehlen entweder in Richtung Dresden (alle 30 Minuten) oder in Richtung Bad Schandau (alle 30 Minuten) oder weiter nach Schöna (einmal pro Stunde).

AUSRÜSTUNG.
Für diese Wanderung braucht man nur etwas Ausdauer und darf keine Angst vor Treppen haben. Festes Schuhwerk wird empfohlen, da es auf den Sandsteinfelsen manchmal rutschig werden kann, wenn die Trittsicherheit fehlt.

UNTERKUNFT.
Empfehlenswert und als Ausgangspunkt für diese Wanderung sind das Hotel Café Richter (von Mai bis Oktober) bzw. das Manufaktur Hotel Wehlen.

ESSEN & TRINKEN.
Da es sich durchaus um eine Tageswanderung handelt, ist es gerade im Sommer nicht verkehrt, Essen und Trinken dabei zu haben. Aber: Auch unterwegs gibt es zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Wer sich unterwegs stärken möchte, kann dies im Gasthaus Waldidylle im Teufelsgrund, auf der Bastei (Wahl zwischen Imbiss oder Restaurant) oder in Rathen (große Auswahl) tun.


BESONDERER TIPP.
Falls es doch mal zu heiß wird und man mit Kindern unterwegs ist: In Wehlen gibt es in der Nähe des Bahnhofs ein sehr schönes Freibad mit Blick auf Elbe und Sandsteinfelsen.

WEITERE INFOS.
Die gesamte Geschichte der Sandsteinbrüche gibt es auch auf einer Führung zu erleben.

Wanderkarte

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