Wenn man in Admont steht und sich die Bergwelt ringsum betrachtet, fallen einem viele tolle, schroffe Gipfel auf. Der Admonter Kalbling im Süden ist zum Beispiel einer davon. Aber auch die aufragenden Berge rund um das tief eingeschnittene Tal der Enns im Osten. Im Norden lächelt mich im Schein der aufgehenden Sonne ein ganz besonderes Highlight an. Zwischen Grabnerstein und Mittagskogel blinkt dagegen die Grabneralm aus dem noch frühlingshaft kargen Braun der Wälder, das sich mit dem Grau der Felsen mischt. Zwar ist diese Hütte so früh im Jahr wahrscheinlich noch geschlossen, doch der Ausblick ins Admonter Tal soll fantastisch sein. Das zumindest sagen die Bewertungen auf Google.
Und damit verrate ich auch schon, wie ich vor Ort auf meine Wanderideen und -inspirationen komme. Ich schaue schnell bei Google nach, klicke auf eine Markierung, die mir gefällt, checke auf Outdooractive oder Komoot wie ich am besten dorthin gelange und schon gibt es einen neuen Tag voller Wandermomente, die mich neugierig machen. So fand ich damals übrigens auch die Wanderung durchs Val Venegia in den Trentino-Dolomiten, die ich im Rückblick zu den schönsten Wanderungen meiner gesamten Laufbahn zähle. Doch davon will ich heute nicht schwärmen, sondern erzählen, wie ein anfangs idealer Wandertag zu einer persönlichen Herausforderung und beinahe noch gefährlich wurde.
Route vom Buchauer Sattel zur Grabneralm (1.395m)
Los geht es an der Bushaltestelle Buchauer Sattel. Der liegt 850 m hoch, etwas oberhalb von Weng, und verfügt zudem über einen Parkplatz, der an Sommertagen sicher recht schnell gefüllt ist. Ich checke noch kurz die Rückfahrtszeiten, vor allem, wann der letzte Bus zurück nach Admont fährt, und stelle fest, dass ich genug Zeit habe. Da die Sonne frühlingshaft warm von einem strahlend blauen Himmel lacht, steht dem heutigen Wandervergnügen nichts mehr im Weg.


Die Wanderung startet in der Kühle des Waldes und folgt der Ausschilderung des Weges 636 zur Grabneralm (roter Punkt). Sie schlängelt sich die ersten Höhenmeter abwechslungsreich, steil und in Serpentinen den Hang hinauf. Nach kurzer Zeit stößt der Weg auf eine Forststraße, der ich folge. Erste Schneisen geben den Blick ins Admonter Tal und auf die gegenüberliegenden Berge des Gesäuses frei. Ich atme die frische Luft tief in die Lungen ein und setze fast schon meditativ einen Schritt vor den anderen. Die sachte Steigung hilft, den hochgetriebenen Puls wieder zu beruhigen, sodass ich die Wanderung trotz aller Anstrengung genießen kann. Bis zur Grabneralm werden schließlich etwas über 500 Höhenmeter überwunden.
In einer großen Kurve und auf einem letzten schmalen Trampelpfad über eine Weide nähere ich mich dem Hauptgebäude der Grabneralm von hinten. Dabei bietet sich mir ein fantastischer Blick. Während kleine Schäfchenwolken gemächlich über den Himmel ziehen, habe ich die Terrasse der Alm für mich allein. Wie schon gestern an der Haindlkarhütte mache ich es mir im Schatten gemütlich und lasse den Blick über Tal und Berge schweifen.


Ein Gesäuse-Highlight: Von der Grabneralm zum Admonter Haus (1.700m)
Für den Aufstieg zur Grabneralm sind im Tal gut 1,5 Stunden angegeben, doch letztlich habe ich nur etwas über eine Stunde gebraucht. Das heißt für mich: Ich bin schneller als gedacht. Und wäre es jetzt an der Zeit für eine Rast zum Mittagessen. Da es aber erst halb zwölf ist und ich noch keinen Appetit verspüre, überlege ich, wie es weitergehen soll. Jetzt schon wieder abzusteigen, hieße, dass meine für heute geplante Wanderung in gut einer Stunde schon wieder vorbei wäre. Und das geht gar nicht! Dieses Kaiserwetter will schließlich ausgenutzt werden.
Also hole ich mein Smartphone aus der Tasche (in Österreich hat man übrigens fast überall Empfang!) und checke mögliche Optionen in der Nähe. Dabei nutze ich, wie eingangs erwähnt, Google Maps und prüfe die Place-Icons und Markierungen. Mein Augenmerk fällt auf eine weitere Hütte etwas weiter oberhalb meiner jetzigen Position: das Admonter Haus. Na, das klingt doch ansprechend. Nach einer kurzen Rast starte ich den weiteren Aufstieg.



Dieser führt mich über weitläufige Wiesen im Zickzack den Hang hinauf. Auf den Wiesen blühen noch die ersten Blumen, der Winter muss also noch nicht lange her sein. An manchen Stellen ist der Boden feucht und schwer und wird – je höher ich wandere – noch von kleineren Schneefeldern bedeckt. Am Ende sind es weitere 300 Höhenmeter, die es zu überwinden gilt, bevor ich auf der Bank vor dem Admonter Haus nun aber wirklich mein Mittagessen mache. Kleine Wimpel flattern im Wind, und ihr rhythmisches, peitschendes Geräusch ist das einzige, das ich hier oben noch höre. Ansonsten: Stille. Total schön. Denn auch hier bin ich allein und genieße jeden Augenblick davon.
Warnung vor Selbstüberschätzung: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich
Während ich raste und mich umsehe, fällt mein Blick auf ein Gipfelkreuz, das fast in Reichweite zu sein scheint. Im Licht der hochstehenden Sonne glänzt es recht einladend dem Admonter Haus direkt gegenüber. Ich checke kurz auf Komoot, um herauszufinden, um welchen Gipfel es sich dabei handelt und ob er überhaupt wandernd zu erreichen ist. Komoot sagt ja. Der Weg sei knapp 300 Meter lang, wären dabei ca. 20 Höhenmeter zu überwinden und würde der Aufstieg knapp 15 Minuten dauern. Da das für mich nach einem Spaziergang klingt, mache ich mich also auch noch auf den Weg zur Admonter Warte.


Doch schon bald merke ich, dass es ganz so einfach dann doch nicht ist. Gerade der Schlussanstieg zum Gipfelkreuz ist reine Kletterei. Nur mithilfe der angebrachten Stahlseile gelingt es mir, die steile Wand hinaufzugelangen. Dafür ist der Ausblick vom Gipfelkreuz des 1.805 m hohen Berges jedoch grandios. Ich erblicke scharfkantige Berge, tiefe und eng geschnittene Täler in alle Himmelsrichtungen und habe einen fantastischen Rundumblick über den Nationalpark Gesäuse. Schwindlig darf einem aber auf dem doch recht kleinen Platz rund ums Kreuz nicht werden. In südliche Richtung fällt der Berg nämlich fast senkrecht über 100 Meter ab. Bei mehr als zwei Besuchern kann es hier also ganz schön eng werden.

Rückweg über die Grabneralm und den Bretterlechnerboden
Von der Admonter Warte und dem Admonter Haus aus führt die Wanderung auf demselben Weg zurück ins Tal. Zunächst geht es den gleichen Weg hinunter, den ich auch hinaufgegangen bin. Um dann aber doch noch etwas mehr Abwechslung in meine heutige Tour zu bringen, entscheide ich mich an der Grabneralm, nicht denselben Weg zurückzunehmen. Etwas unterhalb der Schaukäserei ist nämlich noch ein zweiter Weg in Richtung Buchauer Sattel ausgeschildert, der in Wanderkarten oft als „Alter Grabneralmweg” bezeichnet wird.
Im Gegensatz zum breiten Normalweg 636 ist der Weg 628 ein recht steiler Waldsteig. Daher ist beim Abstieg hier etwas mehr Aufmerksamkeit erforderlich als beim Normalweg. Aber dafür ist er ein Weg ganz nach meinem Geschmack. Über umgefallene Bäume und schmale Steige führt er Meter für Meter ins Tal hinab und bietet immer wieder wunderbare Ausblicke auf die umliegende Bergwelt.
Zurück am Buchauer Sattel genieße ich noch die späte Nachmittagssonne, während ich auf den Bus warte. Ich habe keine Ahnung, wie das heute so aus dem Ruder laufen konnte. Aber rückblickend war es die absolut richtige Entscheidung. Manchmal wird eben aus einer einfachen Wanderung doch noch ein kleines Abenteuer. Man muss sich nur hin und wieder einen Ruck geben. Und vor allem der eigenen Lust und dem Zufall folgen.

Tipps & Informationen
ANREISE
↠ Am besten fährt man mit dem Bus der Linie 910 des ÖPNV bis zur Haltestelle „Buchauer Sattel”. Sie fährt von Admont zu Zeiten, die sich fürs Wandern lohnen, und die Fahrt dauert ca. 20 Minuten.
↠ Das Auto kann auf dem Parkplatz „Buchauer Sattel“ stehen gelassen werden. Wie bei allen Parkplätzen im Nationalpark Gesäuse üblich, ist auch dieser kostenpflichtig.
AUSRÜSTUNG
Gerade gegen Mitte dieser Wanderung ist Trittsicherheit extrem wichtig. Außerdem sollte man festes Schuhwerk tragen. Ideal sind knöchelhohe Berg- oder Wanderstiefel. An der Admonter Warte ist Schwindelfreiheit von Vorteil, da es vom Gipfelkreuz aus fast senkrecht und sehr steil in die Tiefe geht.
WEGEQUALITÄT
Zu Beginn sind es Wege der Forstwirtschaft, die sich mit schmalen Waldpfaden abwechseln, die über Wurzeln und Steine führen. Später folgen schmale Wald- und Wiesenpfade und ab der Baumgrenze alpine Pfade. Der Aufstieg zum Gipfel der Admonter Warte führt durch hochalpines Gelände und beinhaltet eine kurze Kletterei.
UNTERKUNFT
Sehr zu empfehlen ist das Xeis NeSt im Admonter Ortsteil Weng im Gesäuse. Es liegt ca. 10 Minuten mit dem Auto oder dem Bus 910 von Admont entfernt. Die Zimmer sind geräumig und stilvoll mit Möbeln aus Echtholz eingerichtet. Ich habe selten so gut geschlafen. Ein toller Pluspunkt ist der Gemeinschaftsraum mit Küche, in dem man sich auch Speisen selbst zubereiten kann.
ESSEN & TRINKEN
Da es sich um eine Tageswanderung handelt, ist es empfehlenswert, vor allem im Sommer, Essen und Trinken dabeizuhaben.
↠ Von der Terrasse der Grabneralm genießt man eine richtig tolle Aussicht. Dort kann man nicht nur übernachten, sondern auch hervorragend speisen.
↠ Die Aussicht vom Admonter Haus setzt noch ein i-Tüpfelchen on top. Es steht auf einem Sattel inmitten hoher Berge, von wo aus sich wunderbare Gipfeltouren, wie zum Beispiel zur Admonter Warte, starten lassen. Hier kann man auch speisen.
Da beide Hütten im Frühling, als ich dort war, noch geschlossen waren, kann ich keine Einschätzung abgeben. Deswegen gilt: Vorher unbedingt die Öffnungszeiten checken!
!— BESONDERER TIPP —!
↠ Eine Nacht auf dem Admonter Haus verbringen und entweder den Sonnenunter- oder auch -aufgang auf der Admonter Warte oder dem Mittagskogel erleben. Außerdem auch mal in einer sternenklaren Nacht vor die Tür gehen. So weit ab von der Zivilisation sind Sterne zu sehen, die es sonst eher nicht zu sehen gibt.
↠ Im Sommer hat die Schaukäserei der Grabneralm geöffnet. Durch ein großes Fenster kann man das Personal dabei beobachten, wie aus Ziegenmilch Käse gewonnen wird.
WEITERE INFORMATIONEN…
… gibt es auf der übersichtlichen Webseite des Tourismusverbands Nationalpark Gesäuse. Der Verband betreibt in der Admonter Innenstadt auch eine Tourist-Info, die für mich im Vorfeld die erste Anlaufstelle war. Hier gibt es Kataloge und Faltblätter mit vielen Informationen rund ums Gesäuse sowie persönliche Beratung während der Öffnungszeiten. Auch bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten kann man hier Hilfe erhalten.
Wanderkarte
12 km
930/910 m
5 h
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