Wehmütig starten wir in den letzten Tag auf unserer Wanderung durchs Lausitzer Gebirge. Heute Nachmittag ist schon wieder alles vorbei, müssen wir zurück in den Alltag. Doch noch liegt eine Etappe vor uns und die wollen wir in vollen Zügen genießen. So schlendern wir anfangs gemütlich und ohne Hast durch Mikulášovice und lassen uns noch einmal vom sozialistischen Verfall beeindrucken. Wie schade, das fast alle grenznahen Ortschaften, die wir in den letzten Tagen durchquerten, ein Bild des Abschieds bieten. Aber vielleicht auch passend zur heutigen Stimmung. Oder vielleicht umgekehrt?

Durchs Lausitzer Gebirge: Von Mikulášovice nach Sebnitz (20km)
Hinter dem Ort gelangen wir recht schnell wieder in den Wald und folgen dem ausgeschilderten Wanderweg auf den Tanečnice, den Tanzplan. Mit seinen 598 Metern zählt er zwar landschaftlich zum Elbsandsteingebirge, geologisch allerdings zum Lausitzer Bergland. Seinen Ursprung hat er nämlich nicht dem Sandstein zu verdanken, sondern Granit. Und ganz eigentlich wäre er auch noch höher. Zählt man nämlich die knapp 30 Meter des Aussichtsturms dazu, kommt er über die 600 Meter und wäre damit der höchste Berg in der Gegend. Aber wer will schon kleinlich sein.
Zu seinen Füßen gibt es eine kleine Bewirtschaftung, die wohl auch Zimmer anbietet. Doch wir wollen hier nicht verweilen — auch wenn die betrunkenen Hummeln auf den unzähligen Blüten ein gar lustiges Schauspiel abgeben – wir wollen weiter. Vom Tanečnice führt uns der Weg wieder hinab ins Tal und damit ein letztes Mal über die Grenze. Nun stehen wir endgültig und schlussendlich wieder auf heimatlichem Boden. Gefühlt ein Katzensprung, tatsächlich aber einige Kilometer später, kommen wir am Ortseingang von Sebnitz an. Im Tal gelegen bietet es von dieser Stelle einen beeindruckenden Anblick, auch wenn die Stadt der Seidenblumen, so wie sie gern genannt wird, nur knapp 10.000 Einwohner zählt.



Ankunft in Sebnitz
Durch den Vorort und kleinere Gassen führt uns der Weg an der Peter-Pauls-Kirche vorbei und weiter ins Stadtzentrum. Dort ist heute Markt und wir wohnen einen kurzen Augenblick diesem Trubel bei, bevor wir uns ans andere Ende der Stadt und damit in Richtung Bahnhof aufmachen. Rückblickend waren es ein paar tolle Tage und ich habe es sehr genossen, einmal mehr mit meinem Bruder unterwegs gewesen zu sein. Und ein Resümee haben wir auch noch für uns gefunden: man muss nicht immer nach Thailand oder in die Alpen um zu backpacken. Auch das europäische Mittelgebirge ist sehr abwechslungsreich und immer auch eine Erfahrung wert. 😉

