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Weitwandern ist für viele von uns das große Leuchten am Horizont. Das Versprechen, einfach loszugehen und nicht mehr aufzuhören, bis man entweder am Ziel oder eine ganz neue Version seiner selbst geworden ist. Oder bestenfalls auch beides. Was genau es also ist, das Menschen dazu bringt, wochenlang mit schwerem Rucksack durch Wildnis, Regen und gelegentliche Selbstzweifel zu stapfen, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Auch ich habe auf meinem Jakobsweg keine wirklich gute Antwort auf diese Frage gefunden. Und doch: Wer einmal einen Fernwanderweg gegangen ist, der fühlt es sofort.
Die legendären Weitwanderwege dieser Welt haben dabei eine besondere Anziehungskraft. Der Pacific Crest Trail (PCT) in den USA verbindet auf knapp 4.300 Kilometern Mexiko mit Kanada; der Appalachian Trail (AT) ist mit gut 3.500 Kilometern Länge ein Klassiker der Thruhiker-Szene; der Continental Divide Trail (CDT) ist mit rund 5.000 Kilometern der ruppigste der amerikanischen Triple-Crown-Wege. Und dann gibt es natürlich noch den Te Araroa in Neuseeland oder den Bibbulmun Track in Australien. Allesamt Wege, die man als echter Weitwandernder einfach gewandert sein muss. Zumindest dann, wenn man zu den Menschen gehört, die solche Dinge nicht einfach nur als Wunsch auf einer Bucket-List belassen.
„Ich war in Nordamerika, ich war ganz viel in Europa. Letztendlich in derselben Kulturregion. Ich wollte herausfinden, wie man in einer komplett anderen Kultur wandert. Und leider Gottes habe ich mehr davon gekriegt, als ich mir gewünscht hätte. Sei vorsichtig, was du dir wünschst.“
Christine Thürmer
Christine Thürmer hat sie alle gewandert. Nicht nur einen davon. Nein, alle drei Wege der amerikanischen Triple Crown. Und noch viele Wege mehr. Über 60.000 Kilometer zu Fuß, mehr als 20.000 Kilometer mit dem Rad, über 6.500 Kilometer auf dem Wasser: Wer Christine Thürmers Vita liest, fragt sich unweigerlich, ob der Tag bei ihr irgendwie mehr Stunden hat als bei allen anderen.

Hiking Asia: Ein neues Buch, ein neuer Kulturkreis
Ihr neuestes Buch, Ende Frebruar 2026 beim Malik Verlag erschienen und direkt auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet, heißt schlicht und einfach: „Hiking Asia“. Und ist dann doch irgendwie ein anderes Buch als ihre bisherigen Werke.
In „Laufen. Essen. Schlafen.“ beschrieb sie die nordamerikanischen Fernwanderwege. Im Buch „Wandern. Radeln. Paddeln.“ die Kombination aus allen drei Fortbewegungsarten rund um den Globus. In „Weite Wege Wandern“ lieferte sie den perfekten Einstieg für alle, die sich selbst auf große Touren wagen wollen, und in „Auf 25 Wegen um die Welt“ einen umfassenden Überblick über die schönsten Weitwanderwege der Erde. All diese Bücher spielten sich, trotz aller Exotik, noch im Rahmen einer vertrauten westlichen Wanderkultur ab. Ja, der PCT ist riesig und einsam. Aber er hat Wegmarkierungen, Trail Magic und eine Community, die einen aufnimmt wie eine Familie.
In Ostasien ist das wohl anders. Sehr anders.

Drei Länder, zwölf Trails, unendlich viele Überraschungen
„Hiking Asia“ nimmt uns also mit auf zwölf Trails in Japan, Taiwan und Südkorea. Thürmer wandert entlang der vom Tsunami 2011 verwüsteten Küste Japans und spricht mit Überlebenden. Sie läuft in nur vier Kilometern Abstand um den havarierten Reaktor in Fukushima herum. Sie schläft in buddhistischen Klöstern und auf öffentlichen Hightech-Toiletten (ja, richtig gelesen!). In Südkorea erlebt sie einen regelrechten Wanderhype auf perfekt ausgebauten Trails, aber auch die stille Wucht christlicher Gedenkstätten mitten in Reisfeldern. In Taiwan kämpft sie gegen brutale Luftfeuchtigkeit, übersteht das stärkste Erdbeben des Landes seit Jahrzehnten und begegnet Wasserbüffeln in Bambuswäldern. Schwitzen inklusive.
Was das Buch* so lesenswert macht, ist nicht das bloße Protokoll dieser Abenteuer. Es ist der Blickwinkel. Thürmer schreibt als jemand, der zwar alles gesehen zu haben scheint, aber trotzdem immer wieder ehrlich überrascht ist. Kulturschock? Sie sucht ihn aktiv. Und bekommt ihn. Warum wandern Südkoreaner mit Gesichtsmasken und Sonnenschutz-Handschuhen? Warum bekommt man zur Nudelsuppe eine Schere gereicht? Wie pilgert man als Buddhist, und was verändert das am eigenen Kopf? Diese Fragen, die einem als Europäer spontan in den Sinn kommen, stellt Thürmer auch. Und beantwortet sie mit der Neugier einer Kulturforscherin und dem trockenen Humor einer Frau, die bereist zu viele absurde Situationen erlebt hat, um sich noch darüber aufzuregen.
„Taiwan ist sozusagen Japan on Steroids. Da musst du schon sehr gut drauf sein.“
Christine Thürmer über die klimatischen Bedingungen auf den Trails in Ostasien
Das Buch kommt dabei erfrischend praktisch daher: 88 Farbfotos und 13 Karten machen Lust aufs Nachwandern, Insidertipps zum Thema Infrastruktur, Unterkunft und Wegverhältnisse runden das Ganze ab. Mit 288 Seiten ist es kompakt genug, um es auch im Rucksack mitzunehmen. Zumindest, sofern man tatsächlich vorhat, einen dieser Trails zu wandern.

Wer ist Christine Thürmer?
Kurze Antwort: die wohl meistgewanderte Frau der Welt. 1967 in Forchheim geboren, studierte sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste Berlin und machte Karriere als Managerin. 2007 schmiss sie alles hin, nachdem ein Freund gestorben war und sie ihren Job verloren hatte. Seitdem ist sie unterwegs. Fast ununterbrochen. Sie hat die amerikanische Triple Crown of Hiking absolviert (PCT, AT, CDT), was bis dahin nur wenige geschafft hatten. In der Thruhiker-Szene kennt man sie als „German Tourist“. Auszeichnungen hat sie reichlich gesammelt: den Triple Crown Award, den ITB Buch Award und den ersten Preis der Discovery Days. Wer sie nicht kennt, dem sei gesagt: Es gibt wohl kaum jemanden, der so viel Erfahrung auf so vielen verschiedenen Weitwanderwegen mitbringt und gleichzeitig so bodenständig und uneitel darüber schreibt.

Für wen ist „Hiking Asia“ das richtige Buch?
Für alle, die Asien nicht von einer Hotelterrasse aus, sondern von einem Wanderweg aus kennenlernen wollen. Für Fernwanderer, die neue Ziele suchen und dabei bereit sind, ihre Komfortzone nicht nur geografisch, sondern auch kulturell zu verlassen. Für neugierige Lesende, die sich für einen anderen Blick auf eine fremde Welt begeistern können, auch ohne jemals selbst dorthin zu fahren. Und natürlich für alle, die Christine Thürmers bisherige Bücher geliebt und bereits sehnsüchtig auf Nachschub gewartet haben.
Weniger geeignet ist das Buch* jedoch für Menschen, die einen klassischen Wanderführer mit Höhenprofilen, Wegbeschreibungen und GPS-Tracks erwarten. „Hiking Asia“ ist zuallererst ein Reisebericht – packend, persönlich und oftmals unfassbar unterhaltsam. Die praktischen Infos sind ein schöner Bonus, aber ganz gewollt keine Stärke des Buches.
Mein Fazit: „Hiking Asia“ hat mich weit weg entführt und gleichzeitig einen Blick auf eine Wanderwelt geworfen, die ich bisher so auch noch nicht kannte. Christine Thürmer beweist einmal mehr, dass Weitwandern kein Sport ist, sondern eine Haltung. Und dass die interessantesten Wege manchmal eben jene sind, auf denen einem wirklich so rein gar nichts vertraut ist.
Eine Leseempfehlung ohne Wenn und Aber.
»Hiking Asia – Wandern in Japan, Südkorea und Taiwan«
von Christine Thürmer, erschienen bei Malik im Piper Verlag.
288 Seiten | € 18,– [D] | ISBN 978-3-89029-609-8
Hier gibt es das Buch zu kaufen:
Vielen Dank an den Malik Verlag für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars. Wer dem Instagram-Channel der Autorin folgen möchte kann das gern hier tun: instagram.com/christine_thuermer.
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Das Buch/ die Bücher wurde(n) mir vom Verlag oder von den Personen, die sie geschrieben haben, als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Es gab keine Vereinbarung mit dem Verlag oder den Schreibenden, und die Veröffentlichung ist an keine Bedingung geknüpft. Zusätzlich zum Rezensionsexemplar wurde keine Vergütung gezahlt.
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