Durch die Sächsische Schweiz – Malerweg Tag 5

Kein Besuch des Elbsandsteingebirges ohne auch mal auf der Aussichtsplattform der Schrammsteine gestanden zu haben. Deren Gratweg ist zum Teil mit Eisenleitern verbunden und lädt groß und klein zum Kraxeln ein. Ein kurzes aber ganz besonderes Vergnügen.
Lesezeit: 4 Minuten

Inhalt

Mitten in der Nacht wachen wir plötzlich auf. Vor der Höhle, in welcher wir unser Lager aufgeschlagen haben, wird es für einen Augenblick taghell. Ein Gewitter muss aufgezogen sein und kurz darauf beginnt es auch schon zu regnen. Zum Glück nächtigen wir abseits der Schrammsteine in einer Grotte und nicht nur unter einem Felsvorsprung. Dort wäre es sicher etwas nasser geworden.

Von der Idagrotte durch die Schrammsteine.

Am nächsten Morgen künden zwar noch ein paar Nebelschwaden vom Unwetter der letzten Nacht, doch wenig später durchbricht die Sonne auch schon die Wolken und läutet einen weiteren heißen Wandertag ein. Nach einem kräftigenden Frühstück packen wir unsere Sachen und beschließen die Felsen der Umgebung etwas genauer zu inspizieren.

Die Schrammsteine sind nicht nur ein Höhepunkt jeder Wanderung, sondern auch immer wieder einen Umweg wert.

Über die Ostrauer Mühle machen wir uns in Richtung der Schrammsteine auf. Am Falkenstein vorbei gelangen wir recht bald zum so genannten Schrammstein-Tor, welches den Aufgang zur gleich lautenden Aussicht markiere. Erneut heißt es, sich schwerlich Stufe um Stufe nach oben zu kämpfen, bevor uns das Elbsandsteingebirge mit einer weiteren tollen Aussicht verwöhnt. Das ermüdende, schier endlose Steigen lohnt sich aber. Bis weit nach Dresden reicht der Blick und lässt uns Gewahr werden, dass die Sächsische Schweiz eigentlich ein ziemlich kleines Gebirge ist. Von den Schrammsteinen aus, haben wir es einmal komplett im Überblick.

Auf dem Schrammsteingratweg

Dem Gratweg folgend wandern wir auf den Schrammsteinen entlang und bleiben doch alle paar Meter stehen, um die Schönheit ringsherum ausreichend würdigen zu können. Mit Höhen zwischen 250 und 400 Metern schießen die Felsen wie Pilze zwischen den Bäumen hervor und hinterlassen bei uns einen sonderbaren, aber auch ungewöhnlich schönen Eindruck. So etwas habe ich mein‘ Lebtag noch nicht gesehen und bin von der Einzigartigkeit dieser Landschaft mehr als beeindruckt. In einem plötzlichen Anfall von Sympathie erkläre ich dieses Gebirge zu meinem Lieblingsgebirge. Zensur: 1+. Tendenz steigend. Dass ich als Kind schon einmal durch die Wälder gewandert und auf einigen der Felsen gestanden habe, muss ich wohl komplett verdrängt haben. Ich verstehe nicht, wie ich als Heranwachsender einfach keine Lust darauf haben konnte? Muss man erst ein gewisses Alter erreichen, um die Natur in ihrer komplexen Schönheit wertschätzen zu können?

Weil’s so schön war: boofen fetzt

Am Carolafelsen vorbei wandern wir schließlich weiter unserem heutigen Tagesziel entgegen, der Höhle der Falkonierer auf dem Kleinen Winterberg. Sie bietet zwei Personen ausreichend Schutz und wurde vormals als Wachpunkt einer mittlerweile nicht mehr vorhandenen Raubritterburg genutzt. Von diesen Befestigungen soll es angeblich einmal sehr viele gegeben haben, wobei außer der Felsenburg Rathen auf der Bastei, wohl keine mehr existiert.

Während mein Bruder dem Sonnenuntergang sinnierend entgegen sieht, verziehe ich mich beizeiten in meinen Schlafsack. Für jemanden wie mich, der unvorbereitet loswandert, waren die heutigen 21 Kilometer einfach zu viel. So werde ich zwar um eine wirklich tolle Abenddämmerung gebracht, aber der Schlaf war mir in diesem Moment einfach wichtiger. Sorry, Bruderherz.

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