Durch das Polenztal auf die Burg Hohnstein

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Schöne Wanderung durch das traumhafte Polenztal. Die Burg Hohnstein und die Aussicht vom Hockstein entschädigen für das ständige Auf und Ab.
Gott ja, irgendwas zwischen Winter und Frühling. Da schaut nichts wirklich idyllisch aus.

Da knackt und knirscht es in den Wäldern, an Bäumen und Sträuchern sprießen die ersten Knospen und die Sonne drückt immer wärmer durch die Wolken. Wie nebenbei ist der Frühling angebrochen. Zeit also, die Wanderschuhe aus dem Schrank zu holen und den wintermüden Körper an die frische Luft zu befördern. Die Frage nach dem wohin stellt sich nicht wirklich, denn die Sächsische Schweiz und damit die Burg Hohnstein sind nicht weit weg. Wer sich einmal in das Elbsandsteingebirge verliebt hat, den lässt es nicht mehr los. Naja, zumindest mich.

Rathen – Polenztal – Burg Hohnstein – Rathen (14km)

Von Dresden kommend starte ich meine Wanderung in dem beschaulichen Kurort Rathen und laufe einfach mal drauf los. So richtig verlaufen kann man sich hier nicht, denn erstens ist die Sächsische Schweiz wirklich toll ausgeschildert und zweitens gar nicht groß. Nur etwa 700km² misst das Elbsandsteingebirge insgesamt und zählt damit zu den kleinsten, eigenständigen Gebirgen Deutschlands. Zum Vergleich: der Harz ist mehr als drei Mal so groß.

Am Gipfel des Gohrisch vorbei führt mich der Weg hinab ins Polenztal. Die Polenz, ein kleiner Fluss, ist Namensgeber dieser Schlucht und eiskalt. Dicht grub sie sich über die Jahrhunderte ins Gebirge und schuf so einen wirklich einzigartigen Canyon, in dem es nicht nur gefühlt immer noch Winter ist. Während die Temperaturen andernorts auf 18 Grad klettern, liegen hier noch Eisschollen am Ufer. Das mag im Sommer sicher ganz erfrischend sein und im Winter bestimmt traumhaft, aber jetzt im Frühling ist es einfach anders als erwartet.

Gott ja, irgendwas zwischen Winter und Frühling. Da schaut nichts wirklich idyllisch aus.
Gott ja, irgendwas zwischen Winter und Frühling. Da schaut nichts wirklich idyllisch aus.

Auf die Burg Hohnstein

So beschleunige ich meinen Schritt und komme 2 Kilometer später am Abzweig nach Hohnstein an. Steil zieht sich ab hier der Weg durch den Schindergraben hinauf. Dennoch sollte man diesen nicht meiden. Denn aller 200 Meter stehen Hinweistafeln, die Aufschluss über die Geschichte dieses Teilabschnittes geben. Da erfährt man zum Beispiel, dass der Schindergraben zu Zeiten des Mittelalters bei Tierseuchen als natürlicher Verwesungsort herhalten musste. Am oberen Ausgang, dem sogenannten Bärengarten, erfahre ich, dass zu Zeiten der sächsischen Könige hier tatsächlich Bären gehalten wurden. Nämlich für die Jagd . Noch heute sind Mauerfragmente erhalten, welche die Dimension dieses Geheges erahnen lassen. Und so viel sei gesagt: es war nicht gerade klein.

Vom Polenztal durch den Schindergraben am Bärengarten vorbei hinauf zur Burg Hohnstein. Die ganze Dekadenz des sächsischen Adels ist auf diesem Weg zu finden.

Auch das kleine Städtchen Hohnstein hat an Geschichte einiges zu bieten. So ist das bezaubernde Idyll an pittoresk restaurierten Fachwerkhäusern im Besitz einer kleinen Burg, die schon lange keine mehr ist. Stetem Wandel unterworfen diente Burg Hohnstein erst als Regierungssitz, war später Jagdschloss, dann Jugendgefängnis und seit 1924 Jugendherberge. Naja, da war letztlich der Wandel nicht mehr ganz so groß. Mit über 1.000 Übernachtungsplätzen zählte sie dann auch gleich mal zu den Größten seiner Zunft und galt als Schönste ihrer Art. Und das ist die Burg Hohnstein heute immer noch. Eine Jugendherberge auf der nicht nur Jugendliche willkommen sind.

Durch den Schindergraben am Bärenzwinger vorbei geht es hinauf zur Burg Hohnstein, die gerade im Frühling immer mal wieder durch die Baumkronen blinkt.
Durch den Schindergraben am Bärenzwinger vorbei geht es hinauf zur Burg Hohnstein, die gerade im Frühling immer mal wieder durch die Baumkronen blinkt.

Retour nach Rathen

Mich zieht es jedoch weiter. Über den Gipfel des Hockstein, den man auf keinen Fall auslassen sollte, denn der Ausblick ist wirklich fantastisch, gelange ich zum Amselsee und damit zurück in Richtung Rathen. Kurz vor dem Ort zweigt rechterhand noch ein kleiner Weg ab, der nur im Sommer zu betreten ist. Dieser führt nicht zu einem weiteren Kletterfelsen, sondern zu einer der schönsten Freiluftbühnen Europas, zur Felsenbühne Rathen. Inmitten der Sandsteine gelegen bietet sie eine wirklich imposante Atmosphäre, die jeder Elbsandstein-Urlauber unbedingt erfahren sollte. Na gut, als Kind wäre ich lieber baden gefahren, aber man wird ja zum Glück älter. Und erfahrener. Und reifer. Und irgendwann weiß man Theater inmitten der Felsen und an der frischen Luft zu schätzen. Alles in allem eine wirklich empfehlenswerte Tour.

Informationen

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

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